Parforcejagt in der Kirche?

Zwei Bläsercorps zu Gast im letzten Sonderkonzert des Jahres der Dresdner Hofkirche

(wiederhergestellter Artikel)

Neben dem liturgischen Dienst und den regelmäßigen Konzerten im Rahmen des Dresdner Orgelzyklus‘gehören auch Sonderkonzerte an der Silbermann-Orgel zum musikalischen Programm der Dresdner Hofkirche (Kathedrale). Zuletzt hatten wir am 4. September den Auftritt dreier Domorganisten besucht [unser Bericht: https://neuemusikalischeblaetter.com/2026/09/07/vorganger-und-nachfolger/%5D.

Parforcehorn-Bläsercorps Gifhorn im Altarraum, Photo: NMB

Am Freitag gab es etwas Besonderes, als sich zwei Bläsercorps mit Parforce-Hörnern zur Silbermann-Orgel gesellten. Ihr Programm reichte von klassischen Werken über »protokollarische Musik«, wie sie von Stadtpfeifern oder Signalgebern im Feld verwendet wurde, um bestimmte Situationen anzuzeigen oder zu illustrieren, bis zu Bearbeitungen von populären Titeln.

Kunterbunt also? Da fiel dem Rezensenten ein Lied ein, das durch Johann Sebastian Bachs Verwendung in den Goldberg-Variationen Einzug in höhere Sphären gefunden hat: »(Sauer)kraut und Rüben | die haben mich vertrieben | hätt´meine Mutter Fleisch gekocht | wär ich bei ihr geblieben« sang man einst …

Die Parforcehornbläser Niederbayern spielten zunächst von der Orgelempore …, Photo: NMB

Doch die bunte Kost erwies sich als bekömmlich – keine Vertreibung also, dafür ein musikalischer Einzug mit »Morning has broken« als traditionellem Choral. Das Parforcehorn-Bläsercorps Gifhorn (Leitung: Günther Kaufmann) hatte im Altarraum Aufstellung genommen, die Parforcehornbläser Niederbayern (Leitung: Beate Bauer) gesellten sich später zu Domorganist Sebastian Freitag auf die Orgelempore, so daß sich nicht nur Hörner und Orgel, sondern auch die beiden Corps gegenüberstanden oder mischten.

… danach gemeinsam mit Domorganist Sebastian Freitag, Photo: NMB

Übrigens waren außer der einen Leiterin viele weitere Spielerinnen unter den Spielern. Mit dem Te Deum von Marc Antoine Charpentier war der Beginn festlich-barock, was sich in einer Entrada Turmmusik fortsetzte. Manche bekannte, für die Besetzung eingerichtete Titel waren ebenfalls dabei, wie Beethovens »Ode an die Freude« oder Carl Maria von Webers »Im Wald«. Einen ganz besonderen Beitrag gab es mit »Amazing Grace« im Satz von Peter Damm. Der ehemalige Solohornist der Sächsischen Staatskapelle hatte die Bearbeitung vor vielen Jahren für die befreundeten Bläser erstellt und wohnte der Wiederaufführung nun bei.

Diese bot aber auch typische Werke für Bläser, die man – ihrer Art wegen – sonst selten hört (oder eben nur mit den Spezialensembles). Dazu zählten zudem typisch regionale Werke, wie eine Bayernhymne von K. M. Kunz, eine Hochzeitsfanfare sowie eine Kurfürstenfanfare von Reinhold Stief und ein Morgenruf Richard Wagners, den dieser wohl für seinen Schwiegervater geschrieben hatte (Minna Planers Vater war Gardereiter und Signalgeber).

Gemeinsamer Ausklang, Photo: NMB

Sebastian Freitag begleitete und beteiligte sich nicht nur an einzelnen Titeln wie einem Benedictus von Joseph Haydn, sondern spielte zwischen den vier Teilen des Konzerts Sätze aus Josef Gabriel Rheinbergers zweiter Orgelsonate.

17. Oktober 2026, Wolfram Quellmalz

Mittlerweile stehen auch die Termine des Orgelzyklus‘ 2027 in der Hofkirche bereits fest. Alle Musiktermine finden Sie hier:

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