Festlicher Schluß

Mit der Aufführung der Kantaten IV bis VI Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratoriums in der Kreuzkirche beendete der Kreuzchor am Sonnabend sein Weihnachtsprogramm – sieht man vom sonntäglichen Gottesdienst ab, mit welchem der Schlußpunkt dann endgültig gesetzt wurde. Nach dem Wunder der Geburt, das in den ersten drei Kantaten im Mittelpunkt gestanden hatte, rückten nun die Taufe bzw. der Name Jesu und die Erscheinung des Herren in den Mittelpunkt der Texte.

Unter Leitung von Kreuzkantor Roderich Kreile präsentierte sich der Kreuzchor nach der (kurzen) Weihnachtspause bestens erholt und präpariert – seine Ausgewogenheit und Klangschönheit zählt nach wie vor zum feinsten. So waren die Stimmen nicht nur untereinander harmonisch, sondern ebenso einzeln tragfähig und beseelt. Nicht nur die Eingangschöre verströmten eine leuchtende Klangpracht, auch bei Aufteilung der Stimmen, etwa nur Soprane, überzeugten die jungen Sänger, ohne wie ein »reduzierter« oder »geviertelter« Chor zu klingen. In der Arie »Flößt, mein Heiland« der vierten Kantate ließ Kruzianer Julian Deckert seinen Solosopran als Echo durch die Kirche strömen, voll sinnlicher Schönheit waren die Choräle. Ohne jede künstliche Überladung entfaltete sich Johann Sebastian Bachs Musik, wozu die Musiker der Dresdner Philharmonie um Heike Janicke (Orgel: Holger Gehring, Cembalo: Peter Kopp) mit warmer Grundierung und farbigen Bläsersoli wesentlich beitrugen.

Das Maß hatte Roderich Kreile am Hauptakteur – seinem Chor – ausgerichtet, in den Tempi ebenso wie in der Dynamik, und so den Bogen der drei Kantaten erhalten: Auf die festliche vierte folgt die schlichteste Kantate des Weihnachtsoratoriums, sie kündigt bereits das Licht an, mit dem das Werk dann (Kantate 6, Epiphanias) prächtig und mit Pauken und Trompete abschließt. Zügig, aber ohne zu hetzen, bliebt die Spannung des Werkes erhalten.

Unter den Solisten fiel besonders Tenor Patrick Grahl auf – der Bachpreisträger hatte nicht nur die Tenorarien sowie die Rolle des Evangelisten übernommen, sondern verstand es auch, beide auszufüllen und überzeugte sowohl in der Gestaltung wie in der Verständlichkeit am meisten. Immer wieder setzte er wohldosierte Akzente und konnte solistisch ohne jede »Auffälligkeit« aus dem Ensemble hervortreten. Sebastian Wartig stand ihm hier ein wenig nach. Besonders gelang ihm der Text Herodes’, seinen Baßarien fehlte es jedoch an Durchsetzungsvermögen gegenüber dem Chor und den Instrumenten. Marlen Herzog (Alt) und Hanna Herfurtner (Sopran) glichen dieses Manko ihrerseits aus, in dem sie stärker forcierten, aber gerade die Sopranistin gewann dabei eine Schärfe, die im Verlauf der Kantaten noch zunahm. Im Quartettrezitativ vor dem Schluß und vor allem den Trioarie von Sopran, Alt und Tenor in der fünften Kantate fanden die Solisten zu einem ausgeglichenen Miteinander.

8. Januar 2017, Wolfram Quellmalz

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