Doch nicht nur Mozart

Konzert im Rahmen der Mozart-Tage an der Semperoper

Als besonderen Gast für die Konzerte im Rahmen der Mozart-Tage war am Freitag und Sonnabend der Pianist Kit Armstrong eingeladen worden, ein Schüler Alfred Brendels. Mit dem Klavierkonzert G-Dur (KV 453) gab er bei der Sächsischen Staatskapelle erneut eine Visitenkarte ab – im November bereits war er in Tokyo kurzfristig für den erkrankten Yefim Bronfman eingesprungen. Am Pult stand ein mittlerweile altbekannter Dirigent – Omer Meir Wellber, der hier schon viele Konzerte und Opernaufführungen geleitet hat.

Wellber ist einer der choreographischsten Dirigenten, und so fragt man sich manchmal, ob er die Musik mehr dirigiert oder mehr nach ihr tanzt. Nachdem er in der Vergangenheit oft eine sehr flotte Gangart bevorzugt hatte, fand Wellber für diesen Auftritt zu größerer Gelassenheit. Schon Mozarts frühe (vielleicht früheste) Sinfonie Es-Dur (KV 16) gewann dadurch an Raum zur Entfaltung. In kleiner Besetzung vor dem Schmuckvorhang entfachte die Staatskapelle jene Spannung, die Mozart dem Werk mit Bogenvibrato und einem Spiel der Baßstimmen eingepflanzt hat. Im Andante verdüsterte sich die Stimmung zusehends, um sich hernach in einem Rondeau flink wieder aufzuhellen.

Auch Mozarts Klavierkonzert ließ Omer Meir Wellber Gelassenheit angedeihen, beschränkte sich aber spürbar auf jene Spannungsmomente, die in Noten festgeschrieben stehen – makellos und blank, doch ein wenig glatt. Heiter und gelöst erklang das Klavier unter den Händen Kit Armstrongs. Die Feinheit der Artikulation, die sanfte Kultiviertheit hat er nicht erst bei seinem Lehrmeister gelernt (sonst hätte Brendel ihn sicher nicht erwählt), jedoch verfeinert. Die Kadenzen gestaltete er voller Delikatesse! Und schön, wie Omer Meir Wellber das Orchester mit dem Solisten danach wieder zusammengleiten ließ. Voll süßer Melancholie seufzte der zweite Satz, der dritte offenbarte Schattierungen von Drama und Farbe. Auf zwischenzeitliche Eintrübung folgte ein leichtfüßiger Aufschwung, nicht zuletzt, weil immer wieder fabelhafte Bläsersoli erfrischten.

Kit Armstrongs Zugabe war maßvoll, ausgewogen, wohldurchdacht. Der Vielschichtigkeit ließ er keinen »Kehraus« folgen, kein Virtuosenfeuerwerk, nicht den »Türkischen Marsch«, sondern die Allemande aus der Klaviersuite c-Moll, die Armstrong in berührender Stille ausklingen ließ. Da darf man sich auf das nächste Konzert des Pianisten in Dresden freuen: im September spielt er Werke von Bach und Liszt im Rahmen der Frauenkirchen-Bachtage.

Das Konzertprogramm blieb auch nach der Pause ganz auf Mozart bezogen. Alfred Schnittke hat mit seinem »Moz-Art à la Haydn« ein »Spiel mit Musik für 2 Violinen, 2 kleine Streichorchester, Kontrabaß und Dirigenten« geschrieben, einen musikalischen Spaß, der Fragmente Mozarts ebenso aufgreift wie Effekte Haydns. Er beginnt gleich mit einer Umkehrung der »Abschiedssinfonie« und läßt die Musiker nach und nach die anfangs noch dunkle Bühne betreten. Und obwohl sie einzelne Stimmen spielen, fügen sich diese dennoch zu einem (heiteren) ganzen.

Die g-Moll-Sinfonie KV 183 (mit stehendem Orchester wie bei Schnittke) schloß den offiziellen Programmteil. Nun gelang es Omer Meir Wellber, in den Ecksätzen ein Mehr an Spannung zu erzeugen, sie eruptiv aufzuladen, markante Hornrufe erklingen zu lassen, hintergründiges Raunen zuzulassen.

Für das anstehende Gastkonzert in Baku hatten Dirigent und Kapelle noch ein paar Zugaben vorbereitet. Auf einen äußerst spritzigen Antonio Salieri folgte – Astor Piazzolla, wofür Wellber wieder einmal sein Akkordeon mitgebracht hatte. Das Publikum war begeistert, indes – was hat das mit Mozart zu tun? Und die »Kreuzung« »Tango meets Classic« ist auch nicht mehr neu…

22. April 2017, Wolfram Quellmalz

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