Operngala mit Diana Damrau und Nicolas Testé

Dresdner Musikfestspiele mit einem weiteren Höhepunkt

Um Galas macht mancher Purist ja einen Bogen, vor allem dann, wenn geladene Gäste kommen. »Oper« ist eben das ganze Stück (soweit es dem Regisseur gefällt, nicht allzu viele Szenen zu »schneiden«). Doch manchmal macht man eine Gala-Ausnahme. Wenn Diana Damrau kommt, zum Beispiel.

Am Sonntagabend war die Sopranistin mit ihrem Kollegen Nicolas Testé in der Sächsischen Staatsoper zu erleben. Begleitet wurden sie von der Prague Philharmonia mit ihrem Chefdirigenten Emmanuel Villaume.

Ein Nachteil der Galas ist, daß man ständig umschwenken muß, seine Gefühle ändern, von null auf hundert und von hundert auf null – Musiker wie Besucher gleichermaßen. Ein kurzes Freisingen bleibt dann in der Regel nicht aus, zumindest im ersten Stück des Abends. Meisterinnen und Meister ihres Faches wissen dies zu verkürzen und zu überbrücken – Diana Damrau besitzt die technische Perfektion, um »aus dem Stand« die Arie des Urbain (Meyerbeer, »Les Hugenots«) zu schmettern. Damit verpaßte sie dem Abend auf die eingangs gespielte Ouvertüre des Stückes, welche den Lutherchoral »Ein feste Burg« einschließt, eine gehörige Portion Schwung. Schauspielen gehör bei ihr dazu, auch wenn die Oper nur konzertant oder in Ausschnitten gespielt wird. Dann spielt die Sopranistin eben mit dem Publikum – einen geheimnisvollen Brief aus der ersten Szene übergab sie in die erste Reihe – oder dem Dirigenten. Emmanuel Villaume ging nur zu gerne auf das Angebot ein und nahm an der Arie der Manon (Massenet) teil.

Begleiter war an diesem Abend der französische Baßbariton Nicolas Testé. Er zeichnete sich besonders durch Geschmeidigkeit und ein angenehmes Timbre aus und steigerte sich – wie seine Partnerin – im Verlaufe der Gala. Ein besonderer Höhepunkt war für manche ein Ausschnitt aus Wagners »Holländer« (Daland: »Mög’st Du, mein Kind«), das hört man selten mit so viel sanglicher Eleganz!

Verdi, Gounod, Ponchielli und Bellini standen auf dem Programm. Im flotten Wechsel verführte Nicolas Testé mit sonorem Klang, während Diana Damrau zunehmend mit Brillanz auftrumpfte. Den anfänglich leichteren Werken (Meyerbeers »Dinorah« ist eine Opera comique, von der Sopranistin als Lustspiel inszeniert) steigerten sich bis zu den Belcanto-typischen Szenen des Wahnsinns (oder am Rande desselben). Mit dem Duett Elvira-Sir Giorgio aus Vincenzo Bellinis »I Puritani« endete das Programm mit der dramatisch wohl aufgeladensten Szene.

Zuvor hatte bereits das Orchester sein Glanzstück ohne Sänger geliefert – Ponchiellis »Tanz der Stunden«. Da hätte man sich das dazugehörige Ballett auf die Bühne gewünscht!

Mit drei Zugaben aus »La bohème«, »Die Afrikanerin« und »Porgy and Bess« verabschiedeten sich Diana Damrau und Nicolas Testé von einem begeisterten Publikum, das auch dem Orchester einen Extrajubel mit auf den Weg gab.

22. Mai 2017, Wolfram Quellmalz

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