Lichtvolle Aufführung

Sächsisches Vocalensemble führt in der Kreuzkirche Mendelssohns »Elias« auf

Seit 2010 gibt es in Dresden ein vom Sächsischen Vocalensemble um seinen Leiter Matthias Jung veranstaltetes Robert-Schumann-Fest. Neben Werken des Komponisten rücken dann auch jeweils Wirkungsstätten Robert Schumanns in und um Dresden in den Mittelpunkt sowie Beziehungen und Korrespondenzen zu und mit Kollegen. In diesem Jahr steht noch bis zum Sonntag die Künstlerfreundschaft mit Felix Mendelssohn Bartholdy im Mittelpunkt.

Zum Auftakt erklang am Pfingstmontag in der Kreuzkirche Mendelssohns »Elias«. In seinem zweiten Oratorium (nach »Paulus«) hatte der Komponist den Elias-Bericht aus dem 1. Buch der Könige aufgegriffen. Es erzählt die Geschichte des Propheten, der sich gegen Polytheismus und Kult wendet. Den kämpferischen Elias suchen im zweiten Teil jedoch Zweifel und Lebensmüdigkeit heim, bevor ihm eine Gotteserscheinung neue Zuversicht gibt.

Mendelssohn hatte die Skizzen zu seinem einige Jahre zuvor begonnenen Oratorium nach einer Anfrage des Birmingham Music Festival vollendet. Für die Uraufführung stand ihm ein großer Chor zur Verfügung, was Mendelssohn in seinem Werk ausschöpfte. Am Montag hatte sich das Sächsische Vocalensemble daher um den Dresdner Motettenchor und den Knabenchor Dresden verstärkt – wer sich schon früh in der Kreuzkirche einfand, wurde bereits mit dem Terzetto »Hebe deine Augen auf« der Knaben von der Empore empfangen (eine letzte Probe). Den Chören standen die Musiker der Camerata Lipsiensis, die sich einst an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy Leipzig formierten, zur Seite.

Daß das Robert-Schumann-Fest nicht nur in Dresden »verortet« ist, sondern aus der hiesigen Arbeit und Ausbildung schöpft, kann man nur begrüßen. Schon die Chöre vereinigten sich in großer Geschmeidigkeit und waren auch in voller Besetzung wunderbar verständlich, was nicht nur der Vermittlung zugute kam. Gerade der lyrische Charakter vieler der Stücke im Werk profitierte davon. Und selbst wenn die Propheten Baals »[…] vertilge den Feind« singen, ist dieser Ruf eben nicht von Zorn und Haß erfüllt. Als Elias unter dem Wacholder einschläft, ließ Matthias Jung kurz eine kurze Atempause für Sänger und Zuhörer, wodurch das leise und sanft von oben klingende Terzett eine angemessene Hervorhebung erfuhr. Doch nicht nur die Chöre bis hin zum Doppelquartett und der Rolle des Knaben (Elisabeth Mücksch) kamen aus den eigenen Reihen, auch die Solisten Maria Perlt (Sopran), Henriette Gödde (Alt) und Henryk Böhm (Baß) wurden an der Dresdner Musikhochschule ausgebildet, Tenor Patrick Grahl in Leipzig. Von innerer Kraft »durchleuchtet« war Henryk Böhms Elias. »Kämpferisch« ist eben nicht mit einem martialischen Machtgehabe gleichzusetzen, sondern mit dem Eintreten für eine Überzeugung. Den Wandel zum zweifelnden, lebensüberdrüssigen Propheten gestaltete Böhm um so eindrucksvoller. Patrick Grahl stattete schon die ersten Worte Obadjahs (»Zerreißet eure Herzen und nicht eure Kleider«) mit betörender Lyrik aus, die Folge Rezitativ-Arie ergab sich bruchlos und folgerichtig wie aus einem Guß. Zuvor hatten schon Maria Perlt und Henriette Gödde in einem harmonischen Duett mit dem Chor zusammengefunden. Die beiden Frauenstimmen hoben sich mit Klarheit über den Chor, nicht mit greller Höhe.

Die Camerata Lipsiensis sorgte für eine luzide Untermalung und immer wieder für Akzente der Betonung wie in der Begleitung des Chores. So war dieser »Elias« von Lichtgedanken erfüllt und konnte weit über das bekannte Doppelquartett »Denn er hat seinen Engeln beföhlen« hinaus begeistern.

6. Juni 2017, Wolfram Quellmalz

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