Casanova trifft Mozart, triff Haydn trifft…

Armida Quartett und Sky du Mont im Palais im Großen Garten

»Casanova – oder: Die Freiheit des Willens« war das Programm übertitelt, in dem sich gelesene Texte und Streichquartettsätze abwechselten. Schauspieler Sky du Mont durfte dafür in die Rolle des alten Casanovas schlüpfen, der sich an sein Leben erinnern, erzählt, aufschreibt.

Zu bereuen habe er nichts, bekannte Casanova (oder du Mont?), er sei ein Verführer gewesen, weil er selbst verführt war, habe alle vier Temperamente durchlebt, jedoch: »Sinnenlust war immer die Hauptsache«.

Sky du Mont läßt die Texte maliziös über die Zunge gleiten, sitzt, ein wenig stocksteif, wie inszeniert, als Casanova da und berichtet von seinen frühesten Liebesabenteuern – amüsant, lebendig, ironisch. Wie du Mont genüßlich die Unschuld spielt, den »aufgeregten Knaben«, und kleine Kunstpausen einflicht, zeigt vor allem – da blickt einer mit Ironie aufs eigene Leben zurück.

Im Wechsel mit dem Schauspieler trugen Martin Funda, Johanna Staemmler, Teresa Schwamm und Peter-Philipp Staemmler Sätze aus Werken vor, die nicht nur in der Casanova-Zeit entstanden waren, sondern gewisse innere Bezüge aufwiesen. Schon Wolfgang Amadeus Mozarts Adagio und Fuge c-Moll wohnt die Freiheit der Gedanken inne, Bezüge zum Jagd-Quartett sind ebenso vergnüglich und geistvoll wie zum Dissonanzenquartett. Und Joseph Haydn steuerte sein Quartett D-Dur Opus 33 Nr. 6 bei – das Programm war klug komponiert und folgte einer Sinnenlust.

So ergötzlich die Texte und der Wechsel der Stücke war – ein wenig schade ist es doch auch gewesen. Dieses formidable Quartett hätte man gerne zu einem »regulären« Quartettabend erlebt. Golden ist ihr Ton, harmonisch fein abgestimmt, Nuancierungen vermögen die vier ohne weiteres hervorzuzaubern, wie sie einzelne Stimmen und vor allem Stimmpaare betonen – im Geist des Werkes. Trotz ihrer Jugend (erst 2012 wurde das Quartett durch den Gewinn des Internationalen ARD-Musikwettbewerbes bekannt) haben die Musiker bereits eine erstaunliche Reife erreicht, müssen keinen Vergleich und kein Werk scheuen. Schon der Eingangssatz aus Mozarts KV 465 beeindruckte mit geschärften Dissonanzen und feiner Aufhellung in der Folge – dramaturgisch genial umgesetzt.

Mit den ersten Sätzen aus dem Jagdquartett begann der zweite Teil. Casanova als Jäger? Wer vermag das zu sagen… Zwischen 1752 und 1753 ist er auf jeden Fall in Dresden gewesen, hatte hier ein »Liebesangebinde«…

Via Wien ging es nach Spanien – du Monts (Pardon!) Casanovas Urteil über deren Einwohnerinnen fällt deutlich charmanter und gewinnender aus als jenes über die männlichen Bewohner.

Lorenzo da Ponte war dem »Don Juan« Casanova mehrfach begegnet. Seinen Erinnerungen folgte der letzte Text. Mit dem Schluß aus Mozarts Jagdquartett fand auch die Hatz ein Ende – ach, schade…

9. Juni 2017, Wolfram Quellmalz

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