Blick auf die »Alten Meister«

Telemann, Mozart, Haydn und Rossini in der Frauenkirche

Das Philharmonische Kammerorchester Dresden und die Flötistin Magali Mosnier hatten für ihr Konzert am Sonnabend in der Frauenkirche Bezug auf das Gedenkjahr Georg Philipp Telemanns genommen und das Programm mit frühen Werken Wolfgang Amadeus Mozarts und Joseph Haydns ergänzt. Und auch Gioachino Rossinis Sonata a quattro Nr. 1 ist die Auseinandersetzung des Komponisten mit Mozart und Haydn anzumerken.

Für kleine Besetzung gedacht und so aufgeführt, hätten die Werke große Lebendig, Klarheit und Gesanglichkeit verströmen können, zumindest erstere war jedoch der Raumakustik geopfert. Weshalb spielte das Kammerorchester wieder im Altarraum und nicht im Kirchenschiff? Als Dresdner und dem Ort vertraut hätten sie es besser wissen sollen – so konnten sich die Oberstimmreichen Instrumente jeweils durchsetzen, während tiefere Lagen und Bässe meist mulmig klangen, selbst die Hörner waren oft undifferenziert irgendwo.

Dies fiel gleich zu Beginn im Mozarts Sinfonie (KV 16, eines der frühesten seiner Werke überhaupt) am stärksten auf, hätte es hier doch der Durchhörbarkeit der einzelnen Stimmen bedurft. Rossinis Sonata – kein Streichquartett, sondern für die Besetzung Violinen, Cello und Kontrabaß geschrieben, konnte hier durch Stimmakzente und ein wunderbar ausgesungenes Andante gewinnen.

An Feinheit im Spiel fehlte es also keineswegs, das zeigte sich nicht erst mit dem ersten Auftritt des Gastes: Georg Philipp Telemanns Concerto e-Moll für Flöte, Violine, Streicher und Basso continuo (TWV 52:e3). Im Wechsel der beiden Solisten prunkte das Werk weniger mit virtuosen Ornamenten, als mit Eleganz und Einfallsreichtum. Magalie Mosnier und Wolfgang Hentrich bewiesen Ausgewogenheit als Duo belebende Partner. Während die Violine im mittleren Presto-Satz für gehörige Belebung sorgte und an Vivaldi denken ließ, besänftigte die Flöte im darauffolgenden Adagio, um den gemeinsam vorgetragenen gediegenen Schluß (Allegro) einzuleiten.

Die Sinfonie D-Dur (Hob 1:1) von Joseph Haydn nach der Pause konnte sich scheinbar aus dem Raumkorsett befreien, das Philharmonische Kammerorchester klang ungeheuer erfrischend, erinnerte in seiner Ebenmäßigkeit (Andante) an die Menuette der Zeit und verriet im dritten mit aufsteigenden Girlanden den Frohsinn und Komponierwitz des Meisters.

Höhepunkt und Abschluß war – trotz Telemann – Wolfgang Amadeus Mozarts erstes Flötenkonzert. Flink, munter präsentierte Magali Mosnier ihr Instrument glänzend, mit sanften Farben abseits allen grellen, durchdringenden Tones. Schon das Allegro maestoso bestach durch ein ausgewogenes Tempo – kein Holpern oder Überschlagen, kein unangemessener Nachhall machte sich bemerkbar. Mit Leichtigkeit erklang die Kadenz, fließend, als sei sie von Wasser. Auch das Rondeau im gemäßigten Zeitmaß fand den Raum zur Entwicklung. So blieb kaum ein Wunsch offen, vielleicht nur einer: das nächste Mal bitte im Kirchenschiff.

3. September 2017, Wolfram Quellmalz

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