Zelenka Festival Praha in der Dresdner Annenkirche

Dresdner Kammerchor und Ensemble Inégal gestalten musikalische Vesper

Auch in diesem Jahr fand das Zelenka Festival Praha in der Dresdner Annenkirche seinen Abschluß. Ein wenig schade, daß das Programmheft so wenig zu Festival und Werken zu sagen hatte, auch die Internetseite des Zelenka Festivals gibt es nur tschechisch oder englisch. So beschränkten sich die Angaben auf die Werkbezeichnungen und -nummern sowie den Zusatz »Deutsche Wiedererstaufführung« bei allen drei Stücken. Dabei wären viele sicher wißbegierig gewesen, gerade hier, in Dresden, dem ehemaligen Wirkungsort des Kontrabassisten und späteren Hofkompositeurs Jan Dismas Zelenka.

Leiter Adam Viktora hatte aus drei Werken ein geschlossenes Programm erstellt. Als Vorspiel oder Ouvertüre hatte zunächst Tobias Hunger allein das Wort und verlieh dem Gaude laetere ZWV 168 (das Adam Viktora mit seinem Ensemble bereits eingespielt hat) freudvollen Ausdruck. Der Tenor zeigte sich als emphatischer Erzähler, der seine Botschaft auch im Rezitativ den Menschen zurief – nicht erst das Alleluia war von Zuversicht geprägt.

Mit der Missa Corporis Domini ZWV 9 folgte ein Werk, dem die freudvolle Verkündung ebenso eingeschrieben ist. Es ist eine frühe der insgesamt über zwanzig Messevertonungen des Böhmen Zelenka, die schon mit ihrer Klangpracht auf einen festlichen Anlaß hindeutet. Gleich zu Beginn setzen Trompeten und Pauken ein und erinnern unwillkürlich an Bachs Weihnachtsoratorium (bzw. sein »Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten!«). Diese feierliche und freudvolle Glaubens- und Lebensbejahung widerfährt dem Werk gleich mehrfach, das Pausieren der Trompeten, etwa im Benedictus, hebt dort die Solisten hervor, dafür betonten Pauken und Trompeten mit dem Wiedereinsetzen den Jubel um so mehr (Osanna).

Das gerade an diesem Ort der Annenkirche an Zelenka gewöhnte Publikum (man kann sicher sagen, daß es ihn liebt) wurde einmal mehr von tschechischen Musikern verwöhnt. Das Ensemble Inégal wußte die Feierlichkeit der Farben hervorzuzaubern, wie auch innige, stille Momente zu schaffen. Adam Viktora gelang eine zügige, jedoch niemals gehetzte Wiedergabe. Von großer Erlesenheit war der Gesang, zunächst einmal vom fabelhaften Dresdner Kammerchor (Einstudierung: Tobias Mäthger). Auch das Solistenquartett überzeugte: neben Tobias Hunger gehörten Gabriela Eibenová (Sopran) und Martin Schicketanz (Baß) dazu. Vor allem aber gab es ein Wiederhören mit Altistin Kamila Mazalová, deren samtweiche, innige Stimmer immer wieder ein Erlebnis ist!

Bei den Instrumentalsoli glänzten neben den prächtigen Trompeten (Pavel Janaček und Almut Rux) vor allem Oboist Markus Müller, der mehrfach mit wunderbarer Gesanglichkeit auffiel.

Dem Dona nobis pacem der Missa hatte Adam Viktora noch den innigen Wunsch Da pacem Domine (Verleih uns Frieden gnädiglich, ZWV 167) nachgestellt. Jan Dismas Zelenka hatte seine Komposition bereits mit heller Stimmfärbung beflügelt, in der polyphonen Verquickung des Chores fand sie eine Entsprechung. Was war dem noch hinzuzufügen? Als Zugabe kam wohl nur eine Wiederholung in Frage: Dona nobis pacem.

8. Oktober 2017, Wolfram Quellmalz

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