Peter Rösel spielt Beethoven und Schubert

Klavierabend im Dresdner Kulturpalast

Es war der erste Klavierabend im neuen Konzertsaal des Kulturpalastes, gestaltet vom Dresdner Pianisten Peter Rösel. Beethoven und Schubert, denen auch zwei der drei Zugaben am Ende galten (Andante aus Opus 14, Nr. 2 und Impromptu B-Dur), standen auf dem Programm. Keine »Werkschau« sollte dies sein, auch keine Gegenüberstellung, sondern konzentrierte Einblicke in Klaviersonaten, die zur Wiener Klassik gehören und ein wenig darüber hinausragen. Die Chronologie dürfte weniger Bedeutung gehabt haben bei der Zusammenstellung dieses Programms, auch wenn Peter Rösel mit Ludwig van Beethovens Opus 7 von 1796 / 97 begann und diesem Opus 110 (1821 / 22) folgen ließ. Schon der Einstieg in die Werke war ganz unterschiedlich: der junge, mit Aplomb auftretende Beethoven da (D-Dur), der lyrisch singende dort (As-Dur) – in anderer Reihenfolge hätte der Pianist die Werke kaum spielen können.

Das erste Wort hatte der stürmende, bildgewaltige Beethoven, doch auch der folgt geordneten Gedanken, ist nicht nur revolutionäres »Gebraus«. Mit perlenden Läufen begann Peter Rösel den Abend, ließ Gegenmotive am Motiv widerspiegeln, beschloß das Presto mit Nachdruck. Der war hier angebracht, am anderer Stelle, dem Allegro, das sich ans Rondeau anschließt, beließ er es bei der schlichten Aussage, wo Pianisten sonst gerne überakzentuiert (oft mit mimischer Unterstreichung), einen Effekt bedienen, der keinen Nachhall hat.

Angemessen sinnierte Peter Rösel im Largo e mesto, der Gefühlsaufwallung folgt ein Nachdenken. Die schlichte Gediegenheit war die Grundlage, aus der heraus er das Menuetto erstehen ließ, ein Wiedererwachen der Gefühle.

Gut fünfzehn Jahre nach der siebenten Sonate hatte sich Beethovens Sprache in der vorletzten enorm weiterentwickelt – ohne das Erstgesagte in Frage zu stellen oder ad absurdum zu führen. Lyrisch, der Seele zugewandt, erklang das Moderato cantabile. An Impetus hat der Komponist keineswegs eingebüßt, wie Peter Rösel im Allegro molto klarstellte. Knapp artikulierte er – mit Maß. Denn das Schlußwort der in sich verschachtelten Adagio und Fuge setzt einen Schlußpunkt, fügt Stimmen ineinander und läßt den (Baß unter der Orgel) vernehmlich donnern. Peter Rösel stellte den dramaturgischen Gehalt heraus, spannte einen Bogen vom Anfang zum Ende. Die Verve des Schlußakkordes war hier angebracht!

Diese nahm der Pianist auch mit hinüber über die Pause und zu Franz Schuberts Sonate A-Dur (D 959). Ein wenig zu viel manchmal, denn den lyrischen Anschlag vermißte man hier mitunter. Schubert spielte der Pianist mit gehörigem Nachdruck, fand darin im Andantino eine Zuspitzung der Entwicklung, aber gerade dort auch eine Ausgewogenheit liedhafter und melodischer Phrasen. Springend frohlockte hernach das Scherzo, doch insgesamt geriet die Sonate sehr wuchtig, streckenweise laut. Der klaren Melodieführung stand eine manchmal verschwimmende Begleitung gegenüber. In den Variationen des Rondeau. Allegretto fand Peter Rösel schließlich zum Maß zurück, belebt von Punktierungen. Drei klassische Werke an einem klassischen Abend – ein Publikumsbedürfnis schien befriedigt, auf den nächsten großen Klavierabend muß man wieder lange warten (oder weit fahren)…

1. Novmber 2017, Wolfram Quellmalz

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