Weihnachtsoratorium mit dem Kreuzchor

Kantaten I bis III in der Kreuzkirche aufgeführt

Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium gehört für Musikfreunde so sicher zum Fest wie der Weihnachtsbaum. Auch wenn wir es heute meist schon im Advent als Konzert in Teilen genießen (wobei es in der Auswahl der Kantaten die Wahl gibt), ist es von der Kreuzkirche über die Gemeinden bis zur Frauenkirche doch immer mit Sinn und Anspruch verbunden. Dabei kann man sich zwischen vielen Aufführungen entscheiden, die barock, historisch informiert oder romantisch klingen. Nachdem gerade die kleineren und historischen Klänge viele Freunde gefunden haben, gibt es bereits wieder einen Trend, Bach (noch) romantischer zu hören – zum Beispiel im Klangbild von Kreuzchor und Dresdner Philharmonie. (Immerhin: auch unser Weihnachtsbaum ist romantisch geprägt und kein urchristliches Symbol.)

Am vergangenen Wochenende standen die ersten drei Kantaten bzw. der erste Teil des Weihnachtsoratoriums in drei Konzerten auf dem Programm der Kreuzkirche. Der Kreuzchor wurde wie immer von Musikern der Dresdner Philharmonie begleitet, Ute Selbig (Sopran), Ingeborg Danz (Alt), Tobias Hunger (Tenor) und Jochen Kupfer (Baß) hatten die Solistenrollen übernommen.

Der Kreuzchor präsentierte sich gleich zu Beginn in bester Verfassung – ganz offenbar war Wolfgang Behrend, der das Amt des Chorleiters im Herbst von Peter Kopp übernommen hatte, in der Vorbereitung darauf bedacht gewesen, die Qualität zu wahren. Es ist ihm bestens gelungen, denn unter der Leitung von Kreuzkantor Roderich Kreile konnten die Knaben durchweg überzeugen, ihre Stimmen – in allen Lagen – »leuchten« lassen, die Zuhörer berühren. Das traf für die innigen Choräle ebenso zu wie für die festlichen Chorpassagen. Ganz mühelos vermochten sie (egal, ob allein in der Sopranlage oder als Ensemble) den Worten Nachdruck zu verleihen, Gedanken zu betonen. Das homogene Gefüge blieb selbst bei Hervorhebungen oder Forcierung erhalten – wunderbar!

Da hatten die Solisten im einzelnen und auch im Quartett (zumindest am Freitag) noch ein Stück des (Zusammen)wachsens vor sich. Tobias Hunger stattete den Evangelist mit deutlicher Erzählerdiktion aus und sorgte nach dem festlichen Eingangschor für einen kontrastvollen Übergang ohne Bruch, »wackelte« im Verlauf allerdings hin und wieder. Ute Selbig entwickelte in manchen Passagen eine für sie ungewohnt scharfe Note, Jochen Kupfer klang etwas gedeckt und war recht schwer zu verstehen. Am meisten beeindruckte hinsichtlich der Gestaltung Ingeborg Danz in den Alt-Arien, obwohl wenn sie etwas matt und leise schimmerte – die vier dürften in den folgenden Aufführungen aber dichter zusammengefunden haben.

Die Philharmoniker hatten dies schon am Freitagabend erreicht. Während zu Beginn noch die Blechbläser deutlich kräftiger gestrahlt hatten und Streicher sowie Orgel merklich zurückhaltender ausfielen, hatte Roderich Kreile hier schnell für einen Ausgleich gesorgt und auch die Bedeutung der Continuo-Gruppe deutlicher hervorgehoben.

16. Dezember 2017, Wolfram Quellmalz

Die Kantaten IV bis VI erklingen am 6. Januar mit den Solisten Elisabeth Breuer (Sopran), Marlen Herzog (Alt), Tobias Hunger (Tenor) und Henryk Böhm (Baß).

Tip: Das MDR-Fernsehen sendet eine Konzertaufzeichnung am 24. Dezember 23:30 Uhr.

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