Mit Bartók und Schostakowitsch in der Oper

Ostertournée des Gustav Mahler Jugendorchesters, Teil 1

Seit einigen Jahren kommt das Gustav Mahler Jugendorchester regelmäßig zum Spielzeitbeginn nach Dresden, meistens ins Haus der Staatsoper. Aber auch im Kulturpalast und in der Frauenkirche war der hochbegabte Nachwuchs schon zu erleben. In diesen Tagen ist die Stadt gleich zweimal im Genuß des Jugendorchesters, denn es macht im Rahmen seiner Ostertournée mit zwei Programmen an der Elbe Station, wobei zunächst der im Programmheft genannte »B-Teil« erklang: Béla Bartóks Konzert für zwei Klaviere, Pauken und Orchester Sz 115 sowie Dmitri Schostakowitschs Sinfonie Nr. 8, zu erleben unter der Leitung von Vladimir Jurowski in der Semperoper.

Als Solisten standen Pierre-Laurent Aimard und Tamara Stefanovich im Programm, doch haben die Pauken bzw. Schlagwerke, von zwei Spielern in Szene gesetzt, auch einen gewichtigen Anteil am Werk: Felix Kolb und Guillem Ruiz Brichs wirkten hinter den Flügeln, aber keineswegs »im Hintergrund«. Bartók hat eigentlich vorgeschrieben, daß die Pauken sogar zwischen den Klavieren zu plazieren sind, jedoch entschied sich Vladimir Jurowski für eine Aufstellung der Flügel vis-à-vis mit den Pauken dahinter. Im Orchester saßen die hohen Streicher alle links, während Celli und Kontrabässe rechts standen. Vielleicht versprach sich der Dirigent davon mehr Homogenität, die Kontraste belebte er mit der Dynamik des Orchesters.

Und diese – Kontraste – waren tatsächlich scharfkantig und grell, von vielen hell-dunkel-Unterschieden gekennzeichnet. Die beiden Klaviere verschmolzen hier eher zu einem Instrument mit einem inneren Dialog, während vor allem die Gegensätze gegenüber den Pauken sowie dem Orchester hervorgehoben waren – Vladimir Jurowski betont eindeutig harte, grelle Klangfarben. Aimard und Stefanovich fanden dazu den Gegensatz eines teilweise gläsernen Klanges, der so glitzernd wie zerbrechlich schien. Mit großer Energiegeladenheit zeichnete das Gustav Mahler Jugendorchester prägnante Klangbilder, die zunächst vor allem von der Überhöhung und Bedrohung zu leben schienen. Zwar bringt Bartók diese im Schlußsatz zu einem versöhnlichen Ende, weichere Kontrastfarben jedoch, feinere Stufungen, hätten dem Werk noch mehr Ausdruck verleihen können.

Doch war dies nichts im Vergleich zu Schostakowitschs Opus 65, in c-Moll wie Beethovens fünfte. Das Schicksal prägt auch diese Sinfonie, egal, worin man heute den »Feind« zu sehen (oder zu interpretieren) vermag – im Krieg oder in der Repression eines Herrschers. Konflikt und Bedrohung, Tragik und Schmerz wohnen dem Werk inne, das sich fahl beginnend schnell tragisch mahnend aufwirft. Jurowski folgte hier erneut einem besonders expressiven Stil, ging bis an die Grenze des Übermaßes – und darüber hinaus. Beeindruckend war, wie klar die üppig besetzten Instrumentengruppen (in der Pause war die Aufstellung komplett geändert worden: Violinen rechts und links, Kontrabässe links hinten) blieben. Immer wieder prägten einzelne das Gesamtbild, nicht nur in den Soli von Flöte, Oboe oder Englischhorn – allein die Fagottgruppe konnte entzücken! Dennoch fragt man sich, ob es nicht manchmal zuviel des Guten war, ob man die Schmerzgrenze wirklich überschreiten mußte? Doch fand Jurowski immer wieder auch zu luziden Strukturen, einer Leichtfüßigkeit in der Dissonanz des ersten Teiles.

Der »große Bogen« hatte jedoch durchaus seine Berechtigung, denn dramaturgisch folgte daraus eine Zuspitzung bis zum Grotesken – wer mochte dieser »Fröhlichkeit« glauben? Immer dunkler, verhangener schien das Werk, konnte aber im Finale ebenso mit Feinheiten (getupfte Streicher und Soloflöte) aufwarten. Man darf also gespannt sein auf den ganz anderen zweiten (bzw. »A«) Teil.

28. März 2018, Wolfram Quellmalz

8. April, 20:00 Uhr, Kulturpalast Dresden: Gustav Mahler Jugendorchester, Lorenzo Viotti (Leitung), Lisa Batiashvili (Violine), Werke von Witold Lutosławski, Karol Szymanowski und Claude Debussy

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