Bewahren und verbessern

Festkonzert im Kulturpalast anläßlich der Rekommunalisierung des Heinrich-Schütz-Konservatoriums

Seit dem 1. Januar schon ist das Heinrich-Schütz-Konservatorium Dresden (HSKD) wieder ein städtischer Eigenbetrieb, damit wird aus dem bisherigen Träger ein »e. V. i. L.« – ein eingetragener Verein in Liquidation. Was sich nach einem formellen Akt anhört, war am Sonntagvormittag ein Grund zu feiern. Natürlich kann man die Trägerschaft Dresdens größter Musikschule rechtlich-formell sehen, natürlich geht Unterricht nach dem Wechsel weiter wie bisher, doch für die Arbeit und Zukunft bedeutet der Schritt viel. Nicht nur Sicherheit, sondern ein Bekenntnis zur Bedeutung von Musik. Sie ist als Teil untrennbar mit der Stadt verbunden, historisch wie heute, und ein Kennzeichen aufgeklärter, humanistischer Gesellschaften. »Jedem Kind (s)ein Instrument«, unabhängig von Herkunft und Möglichkeiten, ist mittlerweile mehr als die Empfehlung einer wissenschaftlichen Studie. Denn auch wenn es scheint, als würden Johann Gottfried Seumes Worte »Wo man singt, da laß dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder« heute nicht mehr uneingeschränkt gelten, so Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch in ihrer Festrede, sei die Erkenntnis, daß Musik die Dialogfähigkeit fördere, nach wie vor gültig. Um Kultur und Bildung für alle zu ermöglichen, hatten in den letzten zwei Jahren zahlreiche Ämter der Stadt die Rekommunalisierung des HSKD vorangetrieben (DNN berichteten), darauf könne man stolz sein.

Dr. Eva-Maria Stange, Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, erinnerte an den Volksaufstand in der DDR (auf den Tag genau vor 65 Jahren) und verwies auf das, was seitdem und obwohl der Aufstand zunächst erfolglos schien sowie nach der Wende errungen worden ist. Jeder könne heute bis in die Partnerstadt Hamburg und »ans Ende der Welt« fahren. Die Freiheit von Kunst und Kultur gehöre zu unseren höchsten Gütern und müsse stetig erkämpft und erhalten werden, denn, so die Mahnung, es gebe für die Kunst keine »Ewigkeitsgarantie«.

»Kultur für alle« bedeutet am HSKD nicht nur, daß dort künftige Berufsmusiker vorbereitet oder ausgebildet werden, sondern auch, daß sich alle beteiligen können, die Freude am Musizieren haben, ganz unabhängig von einem höheren Ziel. Und: »Fehler dürfen gemacht werden« sagte Schulleiterin Kati Kasper im Rahmen der Zeugnisübergabe. In dieser Aussage steckt, unabhängig von scheinbar bedeutenderen Botschaften, eine wesentliche Prämisse. Denn eine wichtige Funktion geschützter Freiräume, die Institutionen wie Musikschulen bieten, liegt darin, daß sich junge Menschen ausprobieren und Erfahrungen sammeln können. Kreativität und Nachhaltigkeit werden schließlich nicht zuletzt von Freiheit bestimmt – ein permanenter Blick auf Verwertung, Resultat oder Bilanz (auch künstlerischer) würde dies behindern.

»Musik für alle« schließt alle ein. Davon kündeten im erstmals bespielten Saal des Kulturpalastes drei Plakate des Heinrich-Schütz-Konservatoriums. Sie zeigten nicht nur das neue Signet, sondern trugen die Aufschriften »Chor«, »Ensemble« und »Orchester«. Allein fünf Chöre und elf Ensembles gehören derzeit zum Haus. Siebentausend Musikschüler hat das HSKD, 450 davon stellten sich im Festkonzert vor. Mit dabei waren Gäste aus der Partnerstadt Hamburg, und Kati Jaspers konnte eingangs die am Vorabend gegründete Partnerschaft ihrer Musikschule mit der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg verkünden.

Von den »Happy Drummers« und einem Posaunenquartett über ein Mandolinenorchester und eine Bigband bis zum Klavierduo und dem Dresdner Knabenchor reichten die Darbietungen. Daß der Schulterschluß zwischen städtischen Einrichtungen und Eigenbetrieben künftig noch intensiviert werden soll, gehört ebenfalls zu den Zielen des HSKD. Da paßte es doch ganz gut, daß nach der Philharmonie, die am Vorabend drei Sätze aus Isaac Albéniz »Suite espagñola« gespielt hatte, im Beisein von Intendantin Frauke Roth die Akkordeonata Elbflorenz »Asturias« aus derselben Suite hinzufügten.

Bewundert werden konnten auch Einzelleistungen am Klavier (Julia Seifert und Nicolas Tränkner), von Sopranistin Elisabeth Lindemann oder Daniel Schimmer, der vom Dresdner Jugendsinfonieorchester des HSKD begleitet Camille Saint-Saëns »Morceau de Concert« als Geschenk darbot.

Von dem einen oder anderen hätte man gerne mehr gesehen und gehört, wie vom »Karneval der Tiere« mit zwei Jugendorchestern und kostümierten Tänzerinnen und Tänzern des HSKD – der »Schwan« ganz ohne Cello!

Der Dresdner Motettenchor und der Dresdner Knabenchor beendeten mit dem Jugendsinfonieorchester den festlichen Vormittag mit Georg Friedrich Händels Schlußchor aus dem »Messiah« und (als Zugabe) Karl Jenkins »Gloria in excelsis deo«.

18. Juni 2018, Wolfram Quellmalz

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