Lindennächte

Reihe »Orgel plus« in Altkaditz fortgesetzt

Am 15. Juni hatte in der Emmauskirche das erste »Orgel-plus«-Konzert dieses Jahres stattgefunden. Den Reigen begonnen hatten Angelika (Violine) und Matthias Grünert (Orgel). Die Geschwister, die sonst auch bzw. vor allem im Ensemble Concerto Bellotto (Angelika) bzw. als Frauenkirchenkantor wirken, leiteten den Sommer erfrischend mit Werken von Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bach sowie Georg Friedrich Händel ein und zeigten dabei, welchen Weg die Musik im 18. Jahrhundert genommen hatte und welch hohes Maß an Individualität ihre Werke besaßen.

Am vergangenen Freitag nun waren Michael Kreikenbaum (Bariton) und der Organist Jens Amend die musikalischen Gäste in Altkaditz. Auch sie hatten einen musikalischen Schwerpunkt gewählt bzw. deren zwei: während italienische Liebesarien zwischen dem Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts ein immerwährendes und -gültiges Thema sehr gefühlvoll ausmalten, führten die dazwischengesetzten Orgelstücke von der Romantik bis in die Gegenwart. In Felix Mendelssohns Sonate f-Moll legte Jens Amend gleich drei Facetten offen: die schlichte Innigkeit der darin verwobenen Choralmelodie, eine tief romantische und anrührende Melodieführung sowie die enorme Spannweite bis zu prachtvollen Tutti-Passagen. Zeitgenössische Berichte vor allem aus England schildern uns Mendelssohn als einen meisterlichen Organisten und Improvisator. Davon hat er einiges in seinen Orgelsonaten verarbeitet, am Freitag blitzte es mehrfach auf. Die Sonate beeindruckte aber auch durch die Kontrastschärfe zwischen sanften und expressiven Passagen.

Mit dem 1857 entstandenen Präludium und Fuge g-Moll Johannes Brahms‘ schlug Jens Amend eine Brücke: einerseits greift Brahms dabei eine barocke Gestalt auf, spiegelt sie aber in der romantischen Harmonik seiner Zeit. Und mit »Salamanca« des 1942 geborenen Guy Bovet kam schließlich ein modernes Werk zur Aufführung, wobei dieser Begriff (Aufführung) hier tatsächlich auch in einem theatralen Sinne angebracht ist, denn das Werk gehört zu den »Trois préludes hambourgeoise« (drei Hamburger Präludien), greift aber auf iberische Rhythmen und Melodien zurück und scheint zuweilen eher als Carmen-Phantasie. Jens Amend ließ diesen Spielwitz munter erklingen.

In Arien von Giuseppe Giordani, Antonio Caldara oder Alessandro Scarlattis, die meist vom (noch) nicht erhörten Liebenden erzählten, schilderte Michael Kreikenbaum dazwischen Herzensnöte und -sehnsüchte. Und mit dem seiner Meinung nach schönsten »Ave Maria«, jenem von Giulio Caccini, verabschiedete sich das Duo von den zahlreichen Zuhörern.

Wie immer klang der Abend noch lange nach, wozu Erfrischungen unter der ältesten Linde Dresdens gereicht wurden.

21. Juli 2018, Wolfram Quellmalz

Tip: Das dritte und letzte Konzert der Sommerreihe gibt im August Gelegenheit, mit Luise Haugk (Oboe) und Lucas Pohle (Orgel) noch einmal »Orgel plus« zu erleben. Termin: 17. August, 19:30, Emmauskirche Altkaditz

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