Absolventenkonzert des Sächsischen Landesgymnasiums für Musik

Junges Sinfonieorchester mit zwei Solistinnen im Dresdner Kulturpalast

Der 13. Februar wird seit Ende des Zweiten Weltkrieges in Dresden als Gedenktag begangen. Die großen Orchester richten ihr Konzertprogramm danach, aber leider gibt es auch ein anderes »Gedenken« politischer Randgruppen, das wiederum Gegengedenken (oder -demonstrationen) hervorruft. Es lohnte sich, die Art des Gedenkens und den Umgang damit einmal grundsätzlich zu hinterfragen.

Die angemeldeten Demonstrationen waren diesmal nachgelagert für die Abendstunden des gestrigen Freitag angemeldet, was eine Sperrung des Innenstadtbereiches für den Verkehr zur Folge hatte und einige Besucher des Absolventenkonzertes im Kulturpalast daran hinderte, ihr Ziel rechtzeitig zu erreichen. Eigentlich schade, daß man hier nicht flexibel reagierte und den Beginn wenigstens um eine viertel Stunde verschob.

So kamen manche erst nach der Ouvertüre in den Saal, Mendelssohns »Hebriden« waren erklungen und hatten drinnen dazu beigetragen, die Wogen zu glätten, die draußen zu spüren waren. Die Schülerinnen und Schüler des Landesgymnasiums für Musik zeichneten mit kräftigen Bässen die schroffen Klippen nach, die Mendelssohn in seiner Komposition eingefangen hatte, die Pauke ließ die Meeresbrandung grollen, die Streicher setzten dem eine erstaunlich seidige Beruhigung entgegen.

Mit Robert Schumanns Cellokonzert in a-Moll betrat die erste Solistin des Abends, Helene Winkler (Klasse Friedwart-Christian Dittmann), die Bühne. »Zärtlich klagend« nannte Marc-Antoine Charpentier die Tonart, nach Daniel Schubarts Auffassung entsprach sie den Attributen »fromm und weiblich«. Wechselvoll stellte Helene Winkler das Konzert vor, das zunächst wirklich zärtlich zu klagen schien – oder doch zu fragen? Solistin und Orchester spielten das Werk unter Wolfgang Behrendts Leitung ungemein dialogisch, ließen kleine Bläserpassagen aufleuchten, hoben den korrespondierenden Charakter solcher Wechselspiele hervor, wie den Hornruf (Una Weske), welcher das Cello stützte. Schön gestaltet waren auch die Übergänge der Sätze, die Schumann nicht nur bruchlos komponiert, sondern jeweils vorbereitet hatte. Auf die Kantabilität des zweiten Satzes folgte ein furioses Finale.

Natürlich ist das Junge Sinfonieorchester (noch) nicht mit einem großen Sinfonieorchester von Berufsmusikern zu vergleichen, die viel öfter und in weniger veränderlicher Form zusammenspielen. Gerade bei Mendelssohn und Schumann mag man da Unterschiede ausmachen. Was jedoch charakteristische Färbung und Stimmung angeht, war das Resultat bereits erstaunlich, wie sich nach der Pause zeigte.

Jean Sibelius stand nun auf dem Programm, sein Violinkonzert mit Charlotte Thiele (Klasse Natalia Prischepenko). Aus Gründen des Formates spielte sie allerdings nur den ersten Satz, der allein nur ein wenig kürzer war als Schumanns gesamtes Opus 129. Wie eine unwirkliche Traumwelt wirkte der Beginn, von den Streichern intoniert, bevor Charlotte Thiele einen Lerchengesang anstimmte. Auch Sibelius‘ Satz war von einem Dialog gekennzeichnet, das Miteinander gehört zu den wichtigen Grundlagen, welche die Schüler in der Orchesterarbeit erfahren. So gelang der Austausch, wenn dunkle Bläser etwas die grundsätzlich helle Stimmung färbten, oder Flöte und Oboe das Thema übernahmen, sehr homogen, die Kadenz spielte Charlotte Thiele sehr frei und beweglich.

Zum Abschluß gab es im Jahr, in dem wir uns besonders der Moderne und dem Bauhaus widmen, ein Konzert des beinahe vergessenen Rudi Stephan. Seine »Musik für Orchester« atmet durchaus Moderne, scheint die Farbspiele der damaligen Architektur (vor allem im Inneren) zu enthalten. Tiefe Bläser und Pauken beschwören die Musik zunächst, erst später treten die Streicher hinzu. Ohne Satzbezeichnung, aber in erkennbaren Teilen oder Episoden durchschreitet Stephan tragische bzw. melancholische Themen, hellt sie auf. Eine Zäsur (Gongschlag) leitet schließlich über, wobei das Orchester ein Tropfen bzw. Pendeln verblüffend intonierte (Bläser und Harfe). Die Melancholie wurde – in Maßen – noch ein wenig ausgekostet, bevor sich das Werk in einen fulminantes Schluß steigerte – noch im Crescendo blieb das Junge Sinfonieorchester jedoch maßvoll.

16. Februar 2019, Wolfram Quellmalz

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