Burkhard Glaetzner zum »Oboenfest« an der Dresdner Musikhochschule

Meisterkurs mit Konzert beendet

Es war bereits das 4. Oboenfest an der Dresdner Musikhochschule, welches Prof. Céline Moinet ins Leben gerufen hat. Für die diesjährige Ausgabe war kein geringerer als Burkhard Glaetzner eingeladen, der in seinem Leben nicht nur als Solist im Orchester auf sich aufmerksam gemacht hat, sondern viele neue Werke beauftragte und aus der Taufe hob. Eines davon gab es am Sonnabend im Konzertsaal der Musikhochschule zu hören: Friedrich Schenkers »Monolog«.

Dieses Stück hat Glaetzner, wie er – ein wenig erschreckend – selbst feststellte, vor über 50 (!) Jahren uraufgeführt, wenig später, am 1. Mai 1968, in Prag gespielt. Die Ereignisse von damals seien ihm noch heute nahe, wie jedem, der diese Zeit miterlebt habe.

»Monolog« ist ein erstaunlich kantables Stück (viel mehr als die später im Programm folgenden Fünf Stücke für Oboe von Antal Doráti), das mit Kipp- und dissonanten Doppeltönen, Flattern und ähnlichem auftrumpft, ein Zwölftonstück, das noch heute nichts von seiner Energie verloren hat. »Damals« hat Burkhard Glaetzner es wohl mit der Kraft der Jugendlichkeit gespielt, heute verblüfft der Oboist, der in zwei Tagen seinen 75. Geburtstag feiern wird, immer noch damit. Neuanfang und Aufbruch sind nach wie vor nicht zu überhören.

Mit extremen Tonsprüngen verlangen auch Antal Dorátis Solostücke dem Virtuosen, in diesem Fall Qing Lin, viel ab. Dabei wird er mitunter ungemein sprechend, wie in »La Cigale et la Fourmi« (»Die Ameise und die Grille« nach Jean de La Fontaines Fabel), während der »Liebesbrief« umschmeichelte. Die »Fugue à trois voix« verband ganz unterschiedliche Stimmen prickelnd, »Légerdemain«, eine Taschenspielerei, folgte einem sprechenden Ausdruck, während Qing Lin für die Berceuse eine große Klangschönheit aufbrachte.

Giovanni Benedetto Platti ist uns heute vor allem als Opernkomponist bekannt und da meist für seine betörenden Arien. Seine Sonata für Oboe und Basso continuo stand dem in nichts nach (Céline Moinet mit Norbert Anger / Violoncello und Prof. Andreas Hecker / Cembalo). Das Allegro assai kann die Nähe zu einer Arie kaum verbergen, ebenso der dritte Satz Non tanto adagio, die man fast mit Belcanto bezeichnen möchte. Darüber hinaus hatte Platti wohl auch Humor – in der Giga Presto ließ Céline Moinet ihre Oboe lachen.

Eingerahmt wurde der Abend in zwei funkelnde Diamanten aus dem Schmuckkästchen Jan Dismas Zelenkas: den Triosonaten Nr. 5 F-Dur und Nr. 6 c-Moll aus ZWV 181. Zu den beiden Oboen (Quin Lin / Céline Moinet bzw. Burkhard Glaetzner / Céline Moinet) gesellte sich hier noch Philipp Zeller als drittes Soloinstrument – eine der Gelegenheiten, den wunderschönen Baß des Fagotts einmal virtuos blitzen zu lassen!

26. Mai 2019, Wolfram Quellmalz

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