Musikalisches Glück von Liebesduellen

La Folia Barockorchester läßt Dresdner Frauenkirche italienisch funkeln

Absagen, Umplanungen und das Finden von Ersatz sind immer ein Greuel, und mancher mag zumindest enttäuscht gewesen sein, daß die ursprünglich angekündigte Julia Lezhneva nicht kam (am 25. Oktober ist sie jedoch beim Collegium 1704 in der Annenkirche), doch war in diesem Fall die (komplette) Änderung zumindest nicht kurzfristig, so blieb Zeit, ein vollkommen neues Programm zusammenzustellen. Und das La Folia Barockorchester mag wohl kaum jemand als »Ersatz« oder »zweite Wahl« sehen.

Am Donnerstagabend zog es wieder glanzvoll ins Schiff der Frauenkirche ein und spielte – wie zuletzt glücklicherweise üblich – im akustisch besseren Innenraum. Überhaupt ist Leiter Robin Peter Müller darin erfahren, Aufführungsorte akustisch auszuloten, wie er unter anderem schon im Treppenhaus des Schlosses bewies. Und so konnten seine Musiker auch diesmal glänzen – ein Glanz, der viele Facetten zeigte, Farbschemen, Schmuckperlen. Wie die Blockflöten, welche süß (»dolce«) in Antonio Vivaldis Konzerten »Per Orchestra di Dresda« (RV 577) sowie »con molti istromenti« (RV 566) vielleicht nicht »den«, aber einen Ton angeben. Einen leuchtenden, schmeichelnden, dem die Oboen ein Echo gaben (RV 577). Für musikalischen Wind bis Sturm sorgten die Streicher mit Pia Grutschus als zweiter erster Violine, anmutig erklangen die jeweils zweiten Sätze als Arien bzw. Duette von Oboe (RV 577) bzw. Flöten (RV 566) und Fagott.

Die feurigen Duelle der Violinen fanden in einer dramatischen Kantate sowie in Opernausschnitten ihre Fortsetzung. »Il duello amoroso« (HWV 82) ist ein köstliches Stück, wenn man es hört und die Szene gespielt (und nicht wirklich gelebt) wird: die treulose Amaryllis hält sich nicht mit Entschuldigungen oder Ausreden auf, sie stellt den Egoismus Dalisos bloß und bezweifelt die Echtheit seiner Liebe. Sabina Puértoslas‘ Sopran ließ den immanenten Vorwurf und das in Amaryllis lodernde Feuer anklingen, auch wenn sie zunächst noch nicht frei schien – das sollte sich ändern. Vielleicht fiel der Unterschied deshalb so auf, weil Xavier Sabata (Altus) von Beginn an derart inbrünstig und bebend werben und zürnen konnte – jeder Ton war eine atemvolle Vibration!

Die Sinfonia zur Oper »Scipione« (wie die meisten der Händel-Werke an diesem Abend während eines Italien-Aufenthaltes entstanden) leitete zum zweiten Teil mit Opernausschnitten über. Schon in der folgenden Arie der Berenice »Scoglio d’immota fronte« konnte sich Sabina Puértoslas enorm steigern, mit Koloraturen prunken, aber gerade in der Mezzo-Lage und noch etwas tiefer ein feines Timbre entwickeln. Xavier Sabata begeisterte wiederum mit Gestaltung und verführerischer Innigkeit in einem Accompagnato-Rezitativ mit Arie aus »Agrippina«. Mit einem Duell – Pardon! – Duett mußte dies enden: in »Io t’abbraccio« (aus der für London entstandenen »Rodelinda«) geben sich die beiden Liebenden einander hin. Auf diesen wunderbaren zarten Ausklang hätte keine neue »Feuerwerksrakete« folgen dürfen, so wurde das hingebungsvolle Stück noch einmal wiederholt und schien – noch besser.

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