»Ich bin voller Bewunderung«

Ragna Schirmer nähert sich zum 200. Geburtstag einfühlsam Clara Schumann

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Wir feiern in diesem Jahr »Clara 200«, bei Ragna Schirmer hätte es aber auch schon »Clara 190« oder »Clara 180« […] heißen können, denn seit Jahrzehnten mittlerweile beschäftigt sie sich mit der Komponistin und Interpretin Clara Schumann. Davon zeugen Programme, welche sich dezidiert um die Personen Clara und Robert Schumann sowie um Johannes Brahms ranken, sowie bisher zwei CD-Projekte: »Liebe in Variationen« (Kammermusik) hieß es schon 2014, »Clara« (Klavierkonzerte) folgte 2017.

Für ihre Vermittlung und Interpretation gerade der Werke Clara Schumanns erhielt Ragna Schirmer in diesem Jahr gemeinsam mit der Musikwissenschaftlerin Janina Klassen den Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau zugesprochen. In diesem Monat legte sie nun ihre neueste CD, diesmal im Doppelpack, vor. Mit »Madame Schumann« wendet sich die Pianistin nicht nur der Kollegin, sondern auch der Person zu. Aufgenommen hat sie zwei historische Programme, Konzerte, die Clara Schumann gespielt hat.

Im 19. Jahrhundert waren reine Klavierabende überhaupt nicht üblich, Clara Schumann war eine der ersten, die solche spielte. Die erste CD enthält ein »gemischtes« Programm wie damals üblich: Robert Schumanns schwärmerischem Klavierquartett Es-Dur folgen zwei von Nora Friedrichs gesungene Lieder (Fanny Hensels »Über allen Gipfeln ist Ruh« sowie Robert Schumanns »Widmung«), den Abschluß bildet Clara Schumanns Klaviertrio g-Moll. Mit Iason Keramidis (Violine), Julien Heichelbech (Viola) und Benedict Klöckner (Violoncello) standen Ragna Schirmer dabei ausgezeichnete Kammermusikpartner zur Seite, und so erklingen die Werke nicht nur einfühlsam romantisch, sie blühen geradezu auf – Claras Trio steht Roberts Quartett in nichts nach, und Fanny Hensels »Über den Gipfeln ist Ruh« darf man zu den berührendsten Werken des Liedgutes zählen. Gleichzeitig wird hier aber auch ein Zeitdokument hörbar, denn genau dieses Programm erklang am 8. März 1847 im Rahmen einer Matinée in Berlin – es dürfte einer der glücklichsten Momente im Leben der Schumanns gewesen sein.

Nach Robert Schumanns Tod wurde Clara zur Unternehmerin, die unter anderem die Werke ihres Mannes pflegte und im Winterhalbjahr ausgedehnte Konzertreisen unternahm. Eines dieser Konzerte, vom 15. Februar 1872 in St. Leonards-on-Sea (East Sussex) ist auf der zweiten CD festgehalten. Es vereinigt Werke, wie sie für Clara-Schumann-Programme typisch wurden: an Beethovens »Waldsteinsonate« (eines ihrer Favoritenstücke) schließt sich eine Suite an, die Clara Schumann aus einer Sonate Domenico Scarlattis, Sätzen Georg Friedrich Händels (Suite g-Moll HWV 432) sowie einer Gavotte von Christoph Willibald Gluck in der Bearbeitung von Johannes Brahms zusammengestellt und mit improvisierten Überleitungen gespielt hatte. Ragna Schirmer empfand die Überleitungen gemeinsam mit dem Komponisten Jens Schlichting für ihre Aufnahme nach.

Mit den »Kinderszenen« von Robert Schumann (in einer leicht gekürzten Clara-Fassung), zwei Stücken Frédéric Chopins sowie Félix Mendelssohns Rondeau Capriccioso schließt das Programm. Natürlich gibt es die CDs in einer gediegenen Ausgabe, im Beiheft kommt nicht nur Janina Klassen zu Wort, auch die Pianistin Ragna Schirmer wendet sich in einem Brief an »Madame Schumann« und bringt ihr ihre Bewunderung zum Ausdruck.

Juli 2019, Wolfram Quellmalz

Ragna Schirmer (Klavier), Nora Friedrichs (Sopran), Iason Keramidis (Violine), Julien Heichelbech (Viola) und Benedict Klöckner (Violoncello),  »Madame Schumann«, erschienen bei Berlin Classics

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