Trost und Vertrauen

Konzert der Meißner Kantorei 1961

Am Sonntagabend zur Vesperstunde lud die Meißner Kantorei 1961 zu einem Konzert mit dem Titel »Wege der Zuversicht« in die Martin-Luther-Kirche der Dresdner Neustadt. Die Mitglieder des Laienchores stammen aus der Region und treffen sich monatlich zu Proben, ihr Repertoire reicht von der Renaissance bis in die Gegenwart. Der zeitgenössischen Musik schenkt der Chor ganz besondere Aufmerksamkeit.

So reichte auch der erste Konzertteil am Sonntag mit a capella vorgetragenen Werken von den Alten Meistern Heinrich Schütz (»Herr, auf dich traue ich«, SWV 377) und Johann Hermann Schein (»Siehe, nach Trost war mir sehr bange« aus dem »Israelsbrünnlein«) bis zu Arvo Pärts sieben Magnificat-Antiphonen sowie den Komponisten Günter Neubert (»Ach Herr, strafe mich nicht«) und Volker Bräutigam (»Der Herr ist mein Hirte«, »Drei Seligpreisungen«), die aus unserer Region stammen.

Klangwirkung ist ein wichtiger Bestandteil der Vermittlung, von der »frontalen« Aufstellung einmal abzuweichen, kann neue Bezüge und Eindrücke schaffen. Für Volker Bräutigams »Der Herr ist mein Hirte« zum Beispiel verteilten sich die Sängerinnen und Sänger um das Kirchenschiff und schlossen ihre Zuhörer ein. Andere Werke, wie Arvo Pärts Anrufungen an Weisheit, Adonai, Isais Wurzel […] tragen schwebende und liegende Stimmungen in sich, die mit geringem Aufwand (thematischem Material) eine Basis vermitteln, Kontraste aufzeigen, für Kontext sorgen.

Bedenkt man den Status (Laien) und den möglichen Probenaufwand, kann man über das Pensum des Chores staunen. Sein Leiter Prof. Georg Christoph Sandmann hatte für das Konzert die Sinfonietta Dresden e. V. als Partner gewonnen, die im zweiten Teil zunächst mit Arthur Honeggers zweiter Sinfonie für ganz andere Klänge sorgte: ein Streichorchester, das sich um eine Soloviola gruppiert, im dritten Satz tritt eine Solotrompete mit einem auf Bach aufbauenden Choral hinzu. Georg Christoph Sandmann ließ gerade gesangliche Elemente kristallisieren, betonte einzelne Stimmen wie jene von Gesangssolisten, womit er dem erinnernden und mahnenden Grundgedanken der Musik (die im Hinblick auf den Zweiten Weltkrieg entstanden ist) sehr entsprach.

Denn das Wort stand in diesem Konzert im Mittelpunkt: Die folgende »Cantata Misericordium« Benjamin Brittens hat ganz dezidiert einen vermittelnden Charakter mit liturgischem Sinn. Sie beschreibt Mitgefühl und Barmherzigkeit am Gleichnis eines Wanderers, der von Räubern überfallen wird. Ein Samariter hilft ihm auf, nachdem er einen Priester und einen Leviten umsonst angerufen hat. Mit den Solisten Yonah Raupers (Tenor) und Fredrik Essunger (Bariton) gestaltete die Meißner Kantorei 1961 die Kantate dramatisch ausgefeilt und bildkräftig. Wie so oft konnte Britten mit seiner modernen, packenden Klangsprache begeistern, behielt stets eine berührende Gesanglichkeit bei.

Mit Ernst Peppings »Die Nacht ist kommen« war auch der Schlußpunkt klar den »Wegen der Zuversicht« zugeordnet.

18. November 2019, Wolfram Quellmalz

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