Beruhigter Advent mit dem Kammerchor ad libitum

Kreuzvesper am Vorabend des 2. Advent

Die Dresdner Kreuzkirche ist derzeit – direkt neben dem Striezelmarkt gelegen – ein Hort der Ruhe. Viele Besucher schauen kurz hinein, auch am Tage, wenn keine Musik erklingt, um Dresdens vielleicht bedeutendste Stadtkirche einmal von innen zu erleben. Die historisch-musikalisch wichtigste ist sie wohl, schon wegen des hier beheimateten Kreuzchores, selbst wenn dessen Auftritte an seinem Heimatort immer weiter reduziert werden, so auch in dieser Adventszeit. Immerhin gab es die Vesper zum 1. Advent mit dem Kreuzchor (im vergangenen Jahr keine einzige), am Ende dieser Woche folgen die Aufführungen des Weihnachtsoratoriums. An dem dazwischenliegenden Sonnabend vor dem 2. Advent war wieder einmal der Kammerchor ad libitum zu Gast und gestaltete die Vesper.

Superintendent Christian Behr trat dem »traditionellen« Vorweihnachtstrubel mit ruhigen, aber nicht belehrenden Worten entgegen, erinnerte daran, aufrecht und erhobenen Blickes zu gehen statt getrieben zu hasten. Erhobenen Blickes kann man gerade im Moment, in dieser »dunklen Zeit«, viele Sterne und Lichter erblicken.

Der Kammerchor ad libitum (Leitung: Karsten Strenger) gab dem Licht Wort und Musik, gerade mit alten Chorsätzen von Andreas Hammerschmidt (»Machet die Tore weit«, »Meine Seele erhebt den Herrn«) und Johannes Eccard (»Übers Gebirg Maria geht«), schlug aber auch eine Brücke in unsere Zeit – Zoltán Kodálys »Adventi ének« oder »Maria durch ein Dornwald ging« im Satz von Philip Lawson gehören zwar noch ins Zwanzigste Jahrhundert, doch in jenem wurden die meisten der Besucher geboren.

Mit Flor Peeters Toccata, Fugue et Hymne sur »Ave Maris Stella« sorgte der ehemalige Dresdner Domorganist Thomas Lennartz (heute Professor für Orgelimprovisation und Liturgisches Orgelspiel an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig) für einen modernen, zeitgemäßen Blick auf die Orgelmusik und gab nicht zuletzt mit einem sehr modernen Vorspiel zu »Oh Heiland, reiß die Himmel auf« eine Vorstellung davon, daß sich in der Orgelmusik nach wie vor Tradition und Gegenwart vereinigen.

So wurde die Kreuzvesper im polyphonen Spiegel und Licht der Musik, im kraftgebenden Wogen der Fugen zu einer besinnlichen Stunde, die berühren konnte.

9. Dezember 2019, Wolfram Quellmalz

Noch bis zum Freitag gibt es täglich 17:00 Uhr die »Striezelmarktmusik«, eine halbe Stunde der Besinnung zum Ausspannen mit unterschiedlichen Ensembles.

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