Weihnachtlicher Jahresabschluß

Universitätschor in Kammerbesetzung

Der Dresdner Universitätschor hat in den letzten Jahren unter der Leitung von Christiane Büttig und in verschiedenen Ensemblegrößen mit seinen thematisch bezogenen Programmen auf sich aufmerksam gemacht – kürzlich erst wurde er dafür gleich zweifach beim Dresdner Chortag prämiert. Am Sonnabend war er in Kammerformation in der Heilig-Geist-Kirche Blasewitz zu erleben. »Frohlocken« hieß es diesmal mit Bezug auf Advent und Weihnachten, was zahlreiche Zuhörer anlockte. Vielleicht nicht ganz so vertieft wie sonst, wenn der Chor »um den Erdball« geht, gab es traditionelle und neuere weihnachtliche Weisen, auch von unterschiedlicher konfessioneller Zuordnung.

Sich zu probieren und Lieder, Länder, Noten zu probieren, gehört zum Universitätschor (wo, wenn nicht da, sollte man forschen?), und so waren neben Klassikern wie Johannes Eccard (»Nun liebe Seel, nun ist es Zeit«) oder Michael Praetorius (»In dulci jubilo« sowie »Es ist ein Ros entsprungen«) auch Franz Wüllners »Heiland in der Wiege«, »Wiegenlied in der Weihnacht« und sein »Nachtgruß« zu hören, mit Felix Woyrschs »Auf dem Berge« berührte der Chor das volksliedhafte Liedgut und zeigte sich gerade darin versiert.

Während ein Chor gewöhnlich in Stimmgruppen aufgeteilt oder gar mehrchörig aufgestellt wird, standen die Sängerinnen und Sänger diesmal »durcheinander«, zumindest wechselnd. Dieses Herausreißen aus der Gruppe war jedoch nicht grob gedacht, es fördere vielmehr das aufeinander Hören, wie Christiane Büttig meinte. Und in der Tat war der Gesamteindruck, die »Zentrierung« des Chores vom ersten Lied an erstaunlich. Der Eindruck eines geschlossenen Ensembles blieb erhalten, und schon bei Eccard kam die Mehrstimmigkeit trotzdem zum Tragen.

Beim Durchschreiten der Jahrhunderte blieb der Chor erneut auch bei Günter Raphael und dessen Satz zu »Nun komm der Heiden Heiland« stehen. Im Kontrast zu weit romantischeren oder innigeren Fassungen fokussierte die etwas schlichtere Variante den Text bemerkenswert.

Auch selten zu hörendes Liedgut wie Edvard Griegs »Ave, Maria Stella« oder Francis Poulencs »Salve Regine« gehörten zum Programm, das passenderweise (oder weil sich »Frohlocken« auf »Glocken« reimen mag) oft mit dem Viertelstundenschlag zwischen den Liedern eine zufällige Ergänzung fand, bis – Alexander Ebert zu seinem zweiten Solo kam.

Der Chorist hatte nämlich an zwei Stellen die Liederfolge für Stücke aus Jacob van Eycks »De Fluyten Lust-Hof« ergänzt: »Een Kindeken Is Ons Gebooren« und »Puer nobis natus est«, auf der Sopranblockflöte vorgetragen, kamen den gesungenen Werken äußerst virtuos und stimmhaft nahe. An Besinnlichkeit fehlte es auch hier nicht, und so unterbrach Alexander Ebert sein Spiel zwischen zwei Sätzen für einige Minuten, als das Sieben-Uhr-Läuten einsetzte.

Dem Konzert und der Stimmung tat dies keinen Abbruch. Mit Jonathan Dove (»The Three Kings«) – und nun in traditioneller Aufstellung in Stimmgruppen und Chören – kam der Universitätschor zum letzten Programmpunkt, an den sich – vom Publikum unterstützt – »Stille Nacht« als Zugabe anschloß.

15. Dezember 2019, Wolfram Quellmalz

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