Venezianische Köstlichkeiten

Concerto Melante in der Dresdner Frauenkirche

Bei dem Titel »La dolce vita« denken viele wohl an Federico Fellinis Film mit Marcello Mastroianni und Anita Ekberg, als Synonym für die Leichtigkeit und den Genuß des Lebens ist der Begriff bei uns kulturhistorisch längst verankert. Das Berliner Ensemble Concerto Melante bezog ihn am Donnerstagabend auf die Musik vor allem venezianischer Barockmeister.

Mit einem Concerto ripieno g-Moll (RV 156), zwei Konzerten für zwei Violinen, Streicher und Basso continuo (das auch in einer Dresdner Abschrift bekannte Konzert A-Dur, RV 519 sowie eines in a-Moll, RV 522) und dem berühmten Konzert für vier Violinen, Streicher und Basso continuo e-Moll (RV 550) stand Antonio Vivaldi als ein Meister unter Meistern in einem Programm, das den etwas vergessenen Domenico Gallo mit zwei Sonate à quattro sowie Giuseppe Torellis Konzert für vier Violinen, Streicher und Basso continuo a-Moll präsentierte.

Concerto Melante begeisterte dabei mit dem schillernden Klang alter Streichinstrumente und ließ die fehlenden Bläser gar nicht vermissen. Für rhythmische Akzente sorgten Orgel (Léon Berben) und Laute bzw. Barockguitarre (Andreas Arend), die ihrerseits glänzen und perlen konnten. In Giuseppe Torellis Allegro trat Andreas Arend als Gestalter feinsten Tonsilbers in den Vordergrund.

Der eigentliche Grund oder ground des Baß‘ war belastbar und schwingend – die geeignete Basis, um die Musik wogen zu lassen wie das Wasser in der Lagune. Und immer gelangten farbenfrohes Ungestüm und venezianische Eleganz zu glücklicher Symbiose.

Beeindruckend war gerade die Ensemblequalität, der Klang, wunderschön zu hören schon in Vivaldis Concerto ripieno. Anders als im Concerto grosso, das die Solisten in den Mittelpunkt stellt, »singen« die Streicher dabei im Chor – wie himmlisch können sechs Violinen singen! Oder vier – Vivaldis Original (RV 550) beweist, daß nichts wie eine Geige jubilieren kann, auch nicht vier. Die Orgelbearbeitung von Johann Sebastian Bach bleibt zumindest im Jubel deutlich zurück.

Als Entdeckung erwiesen sich nicht nur die Sonata Domenico Gallos oder jene anonym überlieferte für fünf Stimmen. Das Konzert bot einen Einblick in die Entwicklung des damals modernen Konzertes, welches gerade durch Vivaldi aus der Kirchensonatenform entwickelt worden war.

»La Folia« ist nicht nur eine »Verrücktheit« oder »Idee«, sondern eines der bekanntesten musikalischen Motive. Nicht nur Francesco Geminiani oder Antonio Vivaldi haben über das Thema phantasiert oder improvisiert, Domenico Gallo tat es ebenso. Sein virtuoser, einfallsreicher Beitrag, ebenso als Sonate à quattro gekennzeichnet, schloß den Abend glanzvoll ab. Ein passender Schlußpunkt, doch eine Zugabe hätten sich viele gewünscht. Für diesmal blieb der Wunsch jedoch unerfüllt.

20. Dezember 2019, Wolfram Quellmalz

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