Musikerfreundschaft

9. Lockwitzer Kammermusik

Seit etwa viereinhalb Jahren existiert die Kammerkonzertreihe in der Lockwitzer Schloßkirche. Der vergangene Sonnabend war in der organisatorischen (nicht musikalischen) Vorbereitung der bisher aufwendigste, doch am Ende durfte sich Pfarrerin Antje Hinze freuen: im Rahmen der derzeitigen Möglichkeiten waren die Besucher bis auf den letzten verfügbaren Platz punktgenau zum Beginn untergebracht – mehr ging nicht.

Das Konzertprogramm stellte vor allem die Freundschaft der beiden Musiker Wolfgang Amadé Mozart und Anton Stadler in den Mittelpunkt. Stadler war – wie später Richard Mühlfeld für Johannes Brahms – nicht nur ein begnadeter Klarinettist, sondern Auslöser für Werke, die heute den Gipfel der jeweiligen Gattung darstellen. Das Klarinettenquintett A-Dur (KV 581) durfte entsprechend den Schlußpunkt des Konzertabends markieren. Zuvor gab es mit Ulf Hinze und Jörg Petzold einen originalen Stadler, denn derselbe hatte für sich (und seinen Bruder) ein Duo für zwei Klarinetten geschrieben. Es führt vor allem in virtuosen Passagen und Girlanden das Spiel der beiden Solisten vor, während Stadler die elegante Romanze vergleichsweise kurz gehalten hat, als sei sie ein Intermezzo zwischen den anregenden Sätzen. Das einleitende Moderato ließen Ulf Hinze und Jörg Petzold im Allegro-Charakter munter sprießen, das traditionelle Menuett – Trio war der ausmusizierte Schwerpunkt.

Die »Türkenmode« hatte im 18. Jahrhundert ganz Wien ergriffen, schlug sich in Kaffeehäusern, in der Mode, der Kunst und der Musik nieder. Dabei wurde das türkische Idiom natürlich dem eigenen Verständnis gemäß präsentiert, also nicht mit Blick auf Authentizität. In der Musik, die sich bekanntlich nicht konservieren läßt, sondern immer wieder neu geschöpft werden muß, folgt daraus eine Vielfalt der Interpretationen und Deutungsansätze. Vergleicht man allein Mozarts Alla Turca aus der Sonate KV 331, ist die Spannweite zwischen Maria João Pires und Fazıl Say heute enorm. Damals und seither war das nicht anders. So ergänzten Bearbeitungen stets die Originale, übertrugen die Werke auf andere Instrumente und sorgten für zusätzliche Verbreitung. Maria Berge und Marjana Winkler zeigten, wie zwei Violinen mit Verve Alla Turca interpretieren können, zuvor loteten sie im liedhaften Andante grazioso (ebenfalls nach der Klaviersonate) die Variationen vollendet aus.

Auch Variationssätze waren sehr in Mode, und so hatte Mozart sein Klarinettenquintett damit abgeschlossen. Aleksandra Wieczynska (Viola) und Jakov Naumovich (Violoncello), wie die meisten anderen Musiker hauptberuflich im Orchester der Staatsoperette tätig, ergänzten nun die Formation um Ulf Hinze. Für Marjana Winkler, die das Stück vor 25 Jahren im Rahmen eines Sommercamps kennen- und liebengelernt hatte, war es eine Wiederbegegnung. Daß ihre »Jugendliebe« nun wieder einmal spielen durfte, freute sie besonders.

Gerade die ständigen Orchesterkollegen zeigten sich im Umgang miteinander und in der Feinabstimmung versiert, woben luftig und leicht am Quintett, das punktiert auftrumpfte, die Stimmen von Klarinette zu Violoncello und Violine hüpfen ließ, die harmonische Basis aber nie verlor.

14. Juni 2020, Wolfram Quellmalz

Die 10. Lockwitzer Kammermusik gibt es am 26. September. Programm und Teilnehmer werden noch bekanntgegeben. Weitere Informationen unter: http://www.kirche-lockwitz.de/

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