Schlanker Mozart

Alexander Schimpf und die bayerische kammerphilharmonie haben mittlere Konzerte eingespielt

Wie Ludwig van Beethoven oder Johann Sebastian Bach hat auch Wolfgang Amadé Mozart keine schwachen Werke geschrieben. Dennoch gibt es solche, die öfter aufgeführt werden. Bei den Klavierkonzerten scheinen die späteren, reiferen, favorisiert, zumindest wenn man nach Einspielungen und Aufführungen geht. Allerdings wirken viele Pianisten dem entgegen, ohne gleich eine Gesamtaufnahme anzustreben. Alexander Schimpf, der in diesem Fall auch die Leitung übernommen hat, und die bayerische kammerphilharmonie wenden sich auf ihrer jüngsten CD den Konzerten KV 413 bis 415 zu, Werken am Übergang zur späten (bzw. letzten) Schaffensphase. Die Aufführungspraxis bietet heute ja verschiedene gängige oder authentische Wege: von historisch informiert bis zu sinfonisch, von Originalität bis zum Rückschluß mit der Erfahrung aus der Epoche der Romantik, in welcher unsere Orchester eine wesentliche Prägung erfahren haben.

Alexander Schimpf hat sich für eine »schlanke« Variante entschieden, nicht nur, weil er auf ein Kammerorchester vertraut, er läßt zudem die Bläserstimmen weg. Man könnte nun annehmen, der Aufnahme fehlte etwas, vielleicht nicht an Volumen, aber an Stimmen oder Akzenten. Doch der Pianist kann sich auf Mozart selber berufen, welcher diese Fassung der Partitur ausdrücklich autorisiert hatte. Die Bläserstimmen würden zwar mehr klangliche Farbigkeit bieten, den Werken aber keine musikalische Substanz, nichts Wesentliches oder gar Unverzichtbares hinzufügen, argumentiert Alexander Schimpf.

Die Aufnahme gibt ihm recht und hält dem Vergleich mit Reverenzaufnahmen (wie mit Alfred Brendel und dem Schottish Chamber Orchestra unter Sir Charles Mackerras) stand. Sie besticht gerade durch Luzidität und Beschwingtheit, läßt Motive frei klingen. Vor allem aber überzeugt die Ausgewogenheit im Gegenüber von Solist und Orchester. Die Schlankheit und Agilität des Kammerorchesters ist also mit keinem »Verlust« an Größe oder Volumen verbunden, auch nicht an Akzenten (wie es einem in bei Fassungen von Frédéric Chopins Klavierkonzerten für Streichorchester passieren kann) – die musikalische Substanz bleibt intakt und im Charakter unverändert.

Daß Alexander Schimpf für die Aufnahme eigene Kadenzen in den Konzerten verwendet, versteht sich eigentlich schon von selbst. Er geht frei, aber einem Ziel zustrebend mit dem thematischen Material um, so daß sich seine Soli bruchlos in den Kontext der Konzerte einfügen – die CD ist in jeder Hinsicht ein Gewinn.

Juni 2020, Wolfram Quellmalz

Mozart AlexanderSchimpf-Mozart_Cover
Alexander Schimpf (Klavier und Leitung)
bayerische kammerphilharmonie: Wolfgang Amadé Mozart: Klavierkonzerte KV 413, 414, 415, CAvi-music

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