Mit Signalwirkung

Musikfest Erzgebirge am Sonntag erfolgreich beendet

Die Zuversicht wurde belohnt. Von Bedenken hatte sich das Musikfest Erzgebirge jedenfalls nicht bremsen lassen, sondern sein Programm wie ursprünglich geplant und im Rahmen der geltenden Richtlinien umgesetzt. Niemand mußte ausgeladen werden, weder Künstler noch Publikum. Einschränkungen gab es dennoch, denn »Abstand halten« galt auch im Erzgebirge, damit war die Anzahl der Sitzplätze begrenzt. In zwei Fällen wich das MFE in größere Räume aus, in einem anderen mußte es einen neuen Veranstaltungsort finden, weil die Werkhalle des Porsche-Werkzeugbaus in Schwarzenberg nicht zur Verfügung stand. Doch auch hier wurde das MFE – relativ kurz vor Beginn – fündig, der NachTklang fand am Sonnabend unter reger Beteiligung in der Ritter-Georg-Halle Schwarzenberg statt. Drei Ensembles stellten ihre Programme dort vor, am Ende wählte das Publikum die deutsch-schweizerische Kooperation Capella JenensisJulie Campiche Quartet zum Sieger. Ein Barockorchester und ein Jazz-Quartett hatten es also den über 300 Besuchern angetan, nun dürfen sie gemeinsam mit dem Deutschlandfunk Kultur eine CD produzieren.

Der Radiosender hatte das Wochenende begleitet – auch das gehört zum Erfolgsrezept des MFE, das Kultur ebenso in die Region bringt, wie es deren Kultur präsentiert. Am Freitag war mit dem Tölzer Knabenchor einer der besten seiner Zunft in der St. Wolfgangskirche Schneeberg zu Gast. Das Konzert wurde aufgezeichnet und wird zu einem späteren Zeitpunkt auf Deutschlandfunk Kultur gesendet. Das Abschlußkonzert am Sonntag konnten Hörer direkt verfolgen, zu Hause am Radio wie in der Kirche oder via Internet. Der Stream ist (mit Bild) über die Seite des MFE weiterhin abrufbar.

Der Abend schien ideal – umgeben von einer wunderbaren Landschaft strahlte die St. Annenkirche in Annaberg-Buchholz im Abendrot. Auch dieses Konzert war natürlich ausverkauft, die Kirche – mit Lücken – bis auf den letzten Platz besetzt; ein durchweg erfreutes, diszipliniertes Publikum. Und wann durfte man so etwas wie einen relativ großen Chor zuletzt erleben? Die Cappella Amsterdam (Leitung: Daniel Reuss) besteht aus immerhin 24 Sängerinnen und Sängern. Dazu kamen als Instrumentalisten Stefan Maass (Laute), Matthias Müller (Violone) und Johannes Fiedler (Orgel). Sie stützten mit einem feinsinnigen Basso continuo das Ensemble, immer wieder trat auch die Singstimme der Violone dem Chor hinzu.

Für das letzte der dreizehn Konzerte in zehn Tagen hatte sich die Cappella Amsterdam die Motetten Johann Sebastian Bachs vorgenommen, die sie in (nach BWV) umgekehrter Reihenfolge präsentierte. Sie begann also mit »Lobet den Herrn« (BWV 230) und schloß mit »Singet dem Herrn ein neues Lied« (BWV 225). Dabei gelangen dem Chor eine ebenso sinnliche wie eine ausdrucksstarke, manchmal fast expressive Deutung – Bach hatte eine liturgische Zuwendung ebenso eingeschlossen wie jene an das Leben, wie in »Du bist der rechte Weg, die Wahrheit und das LEBEN« (aus »Komm, Jesu, komm«). In der gleichen Motette gestaltete der Chor den Aufruhr (»Trotz dem alten Drachen«) eindrucksvoll nach. »Vom Berge her« titelte das MFE in diesem Jahr, mit seiner Interpretation erklomm die Capella Amsterdam einen Klanggipfel. Dies zeigte sich in den Verzweigungen des aufblühen polyphonen Wohlklangs, immer wieder gab es aber auch Momente der Besinnung. »Ewigkeit« oder »Halleluja« verinnerlichten ebenso, wie sie alle – Chor und Zuhörer – einschlossen. Der farbenreiche, kraftvolle Chorklang war nach der langen Pause schon beglückend. Mancher Besucher wünschte, Bach hätte mehr Motetten geschrieben!

14. September 2020, Wolfram Quellmalz

Das Musikfest Erzgebirge alterniert mit den Silbermann-Tagen, die im kommenden Jahr ihre Besucher zwischen 3. und 12. September erwarten. Das nächste MFE findet vom 9. bis 18. September 2022.

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