Dresden Chamber Soloists gehen in die zweite Runde

Neue Aufnahme in Vorbereitung, Sonntag in der Matinée vorhören

Die Initiation oder Initiative ist wichtig, um etwas zu beginnen, für einen Anstoß zu sorgen. Doch nicht immer bringt dieser Anstoß den Stein ins Rollen. Nachhaltigkeit entsteht erst, wenn eine Fortsetzung gelingt. In der Biologie wird eine Art erst dann als solche anerkannt, wenn sie sich zu reproduzieren vermag. In der Musik beginnen Variationszyklen mit der ersten, veränderten Wiederholung des Themas. Und ein Dirigent oder Solist hat »es« nicht geschafft, wenn er von einem Spitzenorchester zum ersten Mal, sondern wenn er wieder eingeladen wird.

Als Robert Oberaigner im vergangenen Jahr mit Kollegen der Sächsischen Staatskapelle Dresden und Michail Jurowski in der Lukaskirche Werke von Mieczysław Weinberg aufnahm, erwies sich der Impuls der Initiative als so groß, daß die Musiker spontan ein Kammerorchester, die Dresden Chamber Soloists, gründeten. Nun bereiten sie ihr zweites Album vor und trafen sich ab Mittwoch für drei Tage in der Emmauskirche Altkaditz für die Aufnahme.

Davon berichteten Federico Kasik (Violine), Holger Grohs, der für die DCS von der Violine zur Viola wechselte, Norbert Anger (Violoncello), Viktor Osokin (Kontrabaß), Robert Oberaigner (Klarinette), Philipp Zeller (Fagott) und Zoltán Mácsai (Horn) in einer Voraufführung für Kammermusikfreunde. Das Spielen in einem eiskalten Raum gehört ebenso zur Aufnahme wie das ständige Wiederholen einer Passage. Letzteres schafft die Möglichkeit, mehr zu riskieren als im Konzert – wenn es schiefgeht, kann man es ja noch einmal versuchen. Das Risiko ist nicht nur gewollt, sondern notwendig, denn die CD muß etwas bieten, um ihre Hörer auch ohne Konzerterlebnis und den Sichtkontakt zur Bühne zu »packen«. Andererseits müssen die sieben Musiker eine Balance finden zwischen persönlichem künstlerischen Anspruch und dem gemeinsamen Ergebnis. Und nicht zuletzt zwischen Stolz und Demut. Zwar sind sie Kollegen eines Orchesters, aber auch Individualisten, die sich auf eine Interpretation einigen und selbstkritisch hinterfragen müssen, ob das, was sie tun, dem entspricht, was jemand notiert hat.

Notiert hat es Beethoven, sein Septett Opus 20 ist das Hauptwerk der Aufnahme. In seinem Variationssatz bietet es durchaus Raum für eine individuelle Entfaltung – ausgeglichen sollte es aber bleiben! Bei der CD-Produktion gibt es einen Tonmeister, der die Musiker gnadenlos kritisiert und »zurück auf Anfang« schickt. Im Konzert gibt es diese Möglichkeit nicht, da muß es »sitzen«.

Gestern waren die DCS beim Festival Sandstein in Lohmen, heute in der Kammermatinée in der Semperoper zu erleben. Dann kann das Publikum auch das zweite Werk hören, das die CD enthalten soll: Simone Fontanelli hat dem Kammerorchester ein »Dresden Septet – Homage to Beethoven« geschrieben, das bei dieser Gelegenheit uraufgeführt wird.

Die CD erscheint voraussichtlich im Mai 2021.

30. September 2020, Wolfram Quellmalz

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