Hosterwitzer Spätsommer

Mit Beethoven zurück ins Weber-Museum

Das Carl-Maria-von-Weber-Museum in Dresden-Hosterwitz ist eines der authentischsten und belebtesten Musikmuseen Deutschlands. Beinahe wöchentlich fanden sonntags Konzerte statt, dazu kamen Sonderveranstaltungen – Musik konnte man hier so nah erfahren wie sonst kaum. Im Frühjahr übergab die bisherige Leiterin Dorothea Renz das Haus an ihre Nachfolgerin Dr. Romy Donath – sie ist wie ihre Vorgängerin ausgebildete Sängerin, stammt also »vom Fach«. Kurz darauf jedoch verhinderte Corona die gewohnte und geplante Herrlichkeit, wie andere Museen blieb das Haus geschlossen und lud nur zu virtuellen Rundgängen ein. Erst im Sommer konnte es – unter Auflagen – seine Türen wieder öffnen. Das reichhaltige Angebot (incl. Cafébetrieb) wie bisher läßt sich aktuell dennoch nicht realisieren.

Nun gab es in der vergangenen Woche aber ein Lebenszeichen: Die weitere Sanierung und Modernisierung soll wie geplant weitergehen. Bis 2026, dem Jahr des 240. Geburtstages und 200. Todestages des Komponisten, soll die Aufwertung des ehemaligen Winzerhäuschens abgeschlossen sein. Bis dahin hat sich die neue Leiterin auch vorgenommen, die Dauerausstellung neu zu gestalten. Nun konnte sie Axel Köhler, den Rektor der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden, als Schirmherren gewinnen – man kann davon ausgehen, daß ihm das Haus wirklich am Herzen liegt. Die Klassen der Musikhochschule gestalten seit jeher einen wichtigen Teil des Veranstaltungskataloges im Weberhaus.

Doch das ist (noch) Zukunftsmusik. Zunächst kann man sich freuen, daß das Haus wieder geöffnet hat. Und es zeigt sich jetzt schon auf einem neuen Stand: zuletzt hatte Dorothea Renz nach der Sanierung von Küche und Sanitärbereich in den letzten Jahren einen Medienraum mit Hörstation eingerichtet, ein Film des Silhouettenkünstlers Dr. Klausjörg Herrmann folgt Webers Spuren auf einzigartige Weise. Die aktuelle Sonderausstellung (noch bis 17. Dezember) gibt über die Entstehung von »Komponieren beim Spazieren« Auskunft.

Die Stimmung stimmt also wieder, sieht man von der eingeschränkten Anzahl der Besucher ab. Sechzehn dürfen in den kleinen Raum, in dem am Sonntag Alina Kasik (Violine) und Christoph Uschner (Violoncello) Ludwig van Beethoven huldigten. Sie hatten sich dessen drei Duos für Klarinette und Fagott (WoO 27) ausgewählt und diese auf ihre Instrumente übertragen. Raffiniert klingen sie, verrieten eine große (eigentlich für die Klarinette gedachte) Gesanglichkeit, aber auch eine raffinierte Fagott- / Cellobegleitung. Zwischendurch wandten sich die beiden Musiker Beethovens Vorbildern bzw. seinem Lehrer zu: Auch Joseph Haydn und Wolfgang Amadé Mozart hatten Streicherduos geschrieben, Werke, die jeder selbst spielen sollte, statt sie im Konzert zu hören. Zum eigenen Vergnügen sozusagen, wozu Mozarts Variationen nicht weniger einluden als Haydns humorvolle Musik. Wie sagte Christoph Uschner so schön – man kann vergleichen, ob und was Beethoven von Mozart oder Haydn gelernt hat, man kann den Vergleich aber auch lassen.

Die kurzweilig moderierte Stunde fand mit Georg Friedrich Händels Passacaglia in g (aus der Suite HWV 432) in der Bearbeitung von Johan Halvorsen einen beschwingten Ausklang.

28. September 2020, Wolfram Quellmalz

Nächste Konzerte im Carl-Maria-von-Weber-Museum: 11. Oktober »Meine Reise zu Beethoven – Novelle von Richard Wagner«, mit Steffi Böttger (Lesung), Konstanze Hollitzer und Christoph Hornef (Klavier), 1. November »Und der Haifisch, der hat Zähne«, Kurt-Weill-Programm mit Jana Adam (Gesang) und Franns Wilfried von Promnitz (Klavier), 13. Dezember »Nehmen ist seliger denn geben«, Antje und Martin Schneider (Lesung), Angelika Stoll (Klavier) und Bettina Bergmann (Flöte), Beginn jeweils 15:00 Uhr, wegen der eingeschränkten Sitzplätze ist eine Anmeldung (Tel.: 0351 / 2618234) empfohlen.

Das Carl-Maria-von-Weber-Museum ist von Mittwoch bis Sonntag, jeweils 13:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.

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