Johann Gottlieb Naumann

Radiokonzert zum 280. Geburtstag des Dresdner Komponisten

Das Radio erweist sich in diesen Tagen als gewohntes und gegenüber manchem Streaming unmittelbareres Medium ohne den Beigeschmack einer »Krücke«. Darüber hinaus bietet es die Möglichkeit, Konzertformate um den fachlichen Hintergrund erhellende Beiträge zu ergänzen. In diesem Sinne hatten der Dresdner Hofmusik e. V. das Konzert zum 280. Geburtstag von Johann Gottlieb Naumann nicht abgesagt, sondern mit Deutschlandfunk Kultur in der Evangelischen Stadtkirche Radeberg im April aufgezeichnet. Statt eines Programmheftes mit Text gab es somit Gespräche mit den Musikwissenschaftlern Katrin Bemmann und Kórnel Magvas. Am vergangenen Sonntag war die Sendung im Radio zu hören.

Nein, »vergessen« ist Johann Gottlieb Naumann nicht, dafür sorgt nicht nur die Dresdner Hofmusik, die sich mit Leben und Werken auseinandersetzt. Dennoch muß man feststellen, daß Naumann im Dresdner Musikleben heute nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Seiner historischen Bedeutung wird dies nicht gerecht – um so schöner, wenn sich jemand einmal so konzentriert dem Komponisten zuwendet.

So wurden die Lieder des Komponisten, wie »Das Klavier«, »An den Schlaf«, »Seufzer«, nach Schillers »Ode an die Freude« oder »An die Sonne« wieder einmal ans Sonnenlicht geholt. Sopranistin Marie Luise Werneburg freute sich vor allem über die Gelegenheit, sie einmal von einem Pianoforte begleitet vorzutragen, biete dieses Instrument doch die Möglichkeit, mit ungeheurer Leisheit zu spielen, was im Gegensatz zu Liedern von Mozart oder Haydn bei Naumann eine noch viel größere Bedeutung habe. Das Pianoforte (schon sein Name verweist auf die Fähigkeit, leise und laut zu klingen) war zur damaligen Zeit ein Fortschritt gegenüber dem Cembalo, mit dem sich dynamische Schattierungen nicht annähernd so verschieden darstellen lassen. Leider ist die Aufnahme mancher der Lieder in den Höhen übersteuert.

Außer den Liedern gab es im Geburtstagskonzert eine ganze Auswahl instrumentaler Kostproben aus Naumans Œuvre. Anne Freitag, Margret Baumgartel (Violine), Alma Stolte (Violoncello) und Sebastian Knebel (Pianoforte) spielten Quartette und Sonaten. Anne Freitags Traversflöte war übrigens eine Besonderheit, denn es handelte sich um ein historisches Instrument aus der Zeit um 1790 – überlieferte, spielbare Holzblasinstrumente sind eine große Seltenheit!

Johann Gottlieb Naumanns Weg wird von manchen »Randsteinen« markiert, die uns heute gestatten, seine Lebensleistung einzuordnen. Kirchencompositeur, später Hofcapellmeister in Dresden, studiert hatte er in Italien, kam später bis nach Berlin, Kopenhagen und Stockholm. Dort reformierte Naumann nicht nur die Hofkapelle, sondern schrieb mit »Gustav Wasa« auch die schwedische Nationaloper. Dennoch bleibt manches unsicher oder ist nicht bestätigt, etwa, ob Naumann wirklich die Kreuzschule besucht hat oder vielleicht sogar Mitglied des Kreuzchores unter Gottfried August Homilius war. Katrin Bemmann ist mit Leben und Schaffen des Komponisten eng vertraut und verwies darauf, daß Naumanns italienische Kenntnisse sicher sein Erfolgsgeheimnis gewesen seien, schließlich war der Dresdner Hof damals sehr italienisch geprägt. Doch bleibt noch manches für die Musikwissenschaft zu erforschen.

Weitere Beiträge zwischen der Musik widmete Kórnel Magvas der Bedeutung der Freimaurerlogen und deren Musik, Sebastian Knebel führte manches zur Entwicklung des Klaviers aus und zu dem von ihm gespielten Instrument. Es ist nach Johann Andreas Stein gefertigt, jenem in Wien ansässigen Klavierbauer, der die Hammermechanik revolutionierte. Heute sieht sie dennoch anders aus, erklärte Sebastian Knebel und ging auf die typische Stein-Charakteristik ein.

Gute eineinhalb kurzweilige Stunden bot das Konzert. Auch abschließend erklang Musik aus Naumans Feder, Männerchöre mit Klavierbegleitung aus der Aufnahme des Vocal Concerts Dresden mit Peter Kopp sowie (leider ohne Angabe der Spieler) ein Kleinod, ein Stück für Glasharmonika und zwei Violen und Violoncello.

17. Mai 2021, Wolfram Quellmalz

Nachhören: https://www.deutschlandfunkkultur.de/konzert.1090.de.html

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