Abschluß ohne Anfang

Meisterwerke – Meisterinterpreten in Pillnitz

Der erste Sonntag im Juli gehört immer der Strehlener Kammermusikreihe Meisterwerke – Meisterinterpreten. Dann findet des traditionelle Sonderkonzert statt, nicht im Ballsaal des Hotels Königshof am Wasaplatz wie sonst, sondern in der Pillnitzer Weinbergkirche. Am letzten Sonntag war es wieder soweit, nur daß die Reihe, die damit abgeschlossen werden sollte, diesmal gar nicht stattgefunden hatte – Auftakt und Abschluß lagen daher auf dem gleichen Datum.

Andreas Priebst, Leiter der Reihe und ehemaliger Cellist der Sächsischen Staatskapelle Dresden, hatte einen früheren Kollegen gewinnen können: Norbert Anger, Erster Konzertmeister Violoncello der Staatskapelle und Solocellist des Bayreuther Festspielorchesters, war übrigens nicht das erste Mal hier: am 7. November 2004 feierte er noch als Akademist seinen Einstand, auch sein Partner an diesem Nachmittag, der Meißner Organist Rainer Fritzsch, hat schon einige der Meisterwerke-Konzerte bestritten.

Benedetto Marcellos Sonate V C-Dur für Violoncello und Baß, in traditioneller Kirchensonatenform, verrät sowohl den Venezianer als auch den Gesangskomponisten – während Norbert Anger Adagio und Largo hingebungsvoll ausführlich und gesanglich nahm, durften die beiden Allegro-Sätze flink und virtuos durch die kleine Kirche jubeln. Solch italienische Manier begeisterte schon damals viele Komponisten, wie Bachs Zeitgenossen Johann Gottfried Walther, der ein Concerto a-Moll nach Giuseppe Torelli für die Orgel einrichtete (wie Bach es mit Werken Vivaldis getan hatte). Es war die erste Kostprobe der Kirchenorgel, die später noch mit Drei kleinen Stücken für Orgel solo von Theodore Dubois energisch, andächtig (wobei Dubois hier an das Gebet in Gounods »Faust / Margarethe« erinnerte) und festlich erfrischte.

Zunächst standen aber Johann Sebastian Bach und dessen dritte Suite für Violoncello solo im Mittelpunkt, von der Norbert Anger meinte, daß sie nicht nur eine der schönsten sei, sondern sich auch besonders gut spielen ließe – die vielen freien Saiten könnten schwingen, was der Musik nicht nur Struktur, sondern Klang gebe. Und so verbanden sich besonders innige (Prelude und Sarabande) und virtuos anspruchsvolle Sätze. Norbert Angers Bogen hüpfte förmlich – behend, präzise und herzerfrischend!

Musikalisches Gebet oder Andacht gab es gleich mehrfach. Ignaz Moscheles hatte sich mit Bachs Wohltemperiertem Klavier befaßt und Teile für Violoncello und Orgel bearbeitet. Die Stimmen gewinnen bei ihm sogar an Eigenständigkeit, wie eine deutlich verspieltere Orgelstimme im Moderato espressivo (G-Dur), dem Andante cis-Moll war wiederum eine Andacht eigen.

Die es abschließend noch einmal mit Camille Saint-Saëns »Prière« gab, nun aber als inniges Zwiegespräch, zu dem Norbert Anger die herrlich dunkle Seite seines Instruments hervorzauberte. Eine Zugabe mußte natürlich sein – Gabriel Faurés »Après un rêve«.

5. Juli 2021, Wolfram Quellmalz

Eine Fortsetzung der Reihe wird hoffentlich kein Traum bleiben. Geplant ist, alles nachzuholen, was in den letzten Monaten ausgefallen ist, doch ist noch nicht sicher, ob alles so klappt wie erhofft. Das neue Programm wird dann unter www.meisterwerke-meisterinterpreten.de/ veröffentlicht.

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