Bach auf der Laute

Aber vielleicht ist ihnen der Trubel des Veneto zu viel, die närrische Gästeschar in Vivaldis Palazzo zu lebhaft? Das schließt ja nicht aus, den Italiener zu schätzen und zu mögen. Kein geringerer als Johann Sebastian Bach wäre Ihnen darin nahe, denn trotz aller Reiselust war ausgerechnet der nie in Italien und kannte seinen Kollegen nur aus dem Notenstudium. Aber gerade daraus resultierte eine große Anerkennung.

Doch Bach sah auch an anderer Stelle »über den Tellerrand«: Im Gegensatz zu Werken für Tasten- oder Streichinstrumente, die er selbst spielte, kannte er die Laute zwar gut, hörte sie wohl oft und war mit dem berühmten Lautenisten des Sächsische Hofes Silvius Leopold Weiss – heute dem vielleicht berühmtesten Lautenisten der Geschichte – bekannt und befreundet, doch gespielt hat er sie (unserer Kenntnis nach) wohl nicht. Sind seine Werke für Laute also eine Besonderheit? Auf jeden Fall sind sie Bach, zeugen von Struktur, Architektur, musikalischer Intensität.

Der englisch-kroatische Lautenist Jadran Duncumb hat vier der Werke auf seiner neuen CD vereint. Die erste der vier Suiten (g-Moll, BWV 995) zieht ihren Hörer gleich mit meditativer Kraft hinein in eine einzigartige Welt – leichter als ein Spinett, und doch mit erdverbundenem Baß. Immer wieder begeistert diese Feinheit, wie in der Allemande – es ist eine Musik, die berühren, beruhigen kann, der man sich ebenso mit Genuß hingeben kann wie sie zum Abendausklang oder dann gebrauchen, wenn man seine Gedanken fokussieren möchte. Märchenhaft schimmert die Sarabande, nicht erst mit der Gavotte I ist man gefangen in einer Welt, die einem allgegenwärtig scheint. Nicht, weil jeder diese Stücke spielt, sie auf sein Instrument überträgt (oder weil Bach sie selbst transkribiert hat), sondern weil sie von innen zu kommen scheinen.

Schlägt man die CD-Hülle auf oder geht auf Jadran Duncumbs Internetseite, sieht man dort eine Laute im Profil, ihre Silhouette – wie ein Wal schaut sie aus! Aber sie heißt ja auch »Laute« dabei ist »laut« wohl eines der letzten Attribute, an das man bei diesem Instrument denkt.

Mit dem Prelude in c-Moll (BWV 999) und der Fugue in G-Moll (BWV 1000) gehören zwei der bekanntesten Stücke Bachs zur Aufnahme, an die sich – nun wieder etwas für Puristen die Partita c-Moll (BWV 997) anschließt. Die – Puristen – mögen sich daran »stoßen«, daß das Mikrophon offenbar nah am Instrument stand – man hört nicht nur das Atmen des Spielers, die Saiten knirschen manchmal, wenn sie gezupft werden. Man kann dies aber auch als authentisch wahrnehmen – wünschen wir uns nicht ohnehin wieder Konzerte? Wir (die NMB) schon. Vielleicht treffen wir Jadran Duncumb dereinst beim Heinrich Schütz Musikfest oder anderswo – wir werden es Ihnen erzählen!

Jadran Duncumb (Laute) »Johann Sebastian Bach. Works for lute« (Lautenwerke BWV 995, 997, 999, 1000«), Audax RECORDS

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