Endlich wieder feiern!

Knabenchor Dresden krönt Festkonzert mit Bach-Kantate

Das ist man schon gar nicht mehr gewöhnt, etwas (rechtzeitig) feiern zu können. Das Festkonzert des am Heinrich-Schütz-Konservatorium Dresden beheimateten Knabenchores Dresden in der Annenkirche fand am Sonnabend im »richtigen« Jahr statt, ist einmal keine der nachzuholenden Veranstaltungen und Jubiläen gewesen, die vor einem Jahr ausfallen mußten. Nein, der Knabenchor ist tatsächlich 1971 gegründet worden.

Sein Repertoire ist groß (oder breit), jedoch nicht beliebig, denn natürlich leiten sich aus dem Knabenchordasein wie aus dem Standort Dresden bestimmte Schwerpunkte historisch ab. Was nicht heißt, daß sich Leiter Matthias Jung und seine jungen Sänger allein darauf festlegten. Den Rahmen des Festkonzertes gaben Werke von Heinrich Schütz, Rudolf Mauersberger und Johann Sebastian Bach, dazwischen erklangen neue und ganz neue Töne.

Denn der Knabenchor hat nicht nur viele junge Sänger hervorgebracht, er stand und steht außerdem mit Musikern, Dirigenten, Lehrkräften in Verbindung. Aus dem Kreis der Begleiter und ehemaligen Mitglieder hatten Tom Haas, Amalia Richter, Aurelius Voigt und Wolfram Buchenberg dem Chor Werke gewidmet und ihm gleichzeitig Grüße in Verbindung mit den besten Wünschen gesandt. Während Tom Haas, Amalia Richter und Aurelius Voigt in ihren mehrstimmigen Werken der Tradition des (Kirchen)liedes folgen, legte Wolfram Buchenberg, der als Komponist mit einem Schwerpunkt im Chorbereich arbeitet, mit »Traumgesang« und »Wechselgesang« zwei moderne Stücke vor, welche vor allem die Freude am Singen anregen möchten und mit Nonsens-Silben und -Lauten spielen. Dabei dehnt Buchenberg das unterhaltsame Genre von Stücken à la Adiemus (Karl Jenkins) und ließ die jungen Sänger auch angrenzende Klangräume phonetisch ausloten.

Mit Ola Gjeilos Ubi caritas gab es einen modernen Klassiker, während Bernhard Klein (»Der Herr ist mein Hirt«) und Rudolf Mauersberger (»Herr lehre doch mich«) in die Tiefen des 19. und 20. Jahrhunderts führten. Gerade diese drei Beiträge, von den Männerstimmen des Knabenchores präsentiert, waren ein Beispiel dafür, daß es Matthias Jung auch über die Zeit ohne reguläre Proben und Konzerte hinweg gelungen ist, den Chor zu erhalten.

Daß hinter einem Lied ein Text und hinter einem Text eine Botschaft steht, sollte selbstverständlich sein. Es erfordert beim Singen, der Verständlichkeit und Aussagekraft besondere Beachtung zu schenken. Insofern war Heinrich Schütz‘ »Verleih uns Frieden gnädiglich« (SWV 372) ein wohltuender Beginn, dessen Zeilen in ihrer Schlichtheit und die Bitte erblühen ließen.

Immer nur schlicht muß es aber auch nicht sein – warum nicht in Freude strahlen? Für den Chor, für jeden Chor wohl, ist eine Bach-Kantate ein Höhepunkt. Matthias Jung hatte für das Festkonzert eine der festlichsten ausgewählt: »Tönet ihr Pauken« (BWV 214). Die Kantate ist insofern interessant, daß man vieles daraus kennt – Johann Sebastian Bach  hat einige Teile wie den Eingangschor, wohl um den Wert seiner Einfälle wissend, später im Weihnachtsoratorium noch einmal verwandt. Das ursprüngliche Werk hört man heute dagegen viel seltener. Einerseits, weil das Oratorium aus dem Œuvre Bachs herausstrahlt, andererseits, weil BWV 214 als weltliches Werk keine liturgische Zuordnung hat, also zumindest keinen Grund vorgibt, es an bestimmten Tagen des Kirchenjahres aufzuführen.

Nicht allein deshalb war es schön, einmal das Ursprungsstück zu hören. Als Solisten unterstützten Barbara Christina Steude (Sopran), Annekathrin Laabs (Alt), Alexander Schafft (Tenor) und Clemens Heidrich (Baß) die Aufführung, wobei vor allem der Alt Annekathrin Laabs‘ und ihr Duett mit der Oboe, wenig später Clemens Heidrich im Wechsel mit der Trompete, herausstachen. Der Knabenchor gestaltete seine Passagen lustvoll bei guter Verständlichkeit – dem Text zu folgen, der nicht allein Königin und König huldigt, sondern Sachsen und Musen einschließt sowie Feind, Lilien und Mond erröten läßt, war leicht. Mancher ließ den Blick bei »mein Ölbaum« (gemein ist das kraftvolle, erfüllte Leben) nach oben schweifen, wo im nicht unumstrittenen Altarbild der Künstlerin Marlene Dumas ein stilisierter Lebensbaum zu sehen ist.

10. Oktober 2021, Wolfram Quellmalz

Schon am Donnerstag ist das Heinrich-Schütz-Konservatorium mit »Schütz Junior!« am Heinrich Schütz Musikfest beteiligt (19:00 Uhr, Dreikönigskirche Dresden). Im November und Dezember gibt es verschiedene Adventskonzerte mit den Ensembles des HSKD. Weitere Informationen unter: http://www.hskd.de

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