Gründe zum Feiern

Stipendiatenkonzert im Rahmen der Tschechisch-Deutschen Kulturtage

Seit mittlerweile über zwanzig Jahren wirkt die Brücke|Most-Stiftung verbindend zwischen Deutschland und Tschechien. Bisher konnten 52 Stipendiaten gefördert werden, wozu nicht allein eine finanzielle Unterstützung zählt, sondern ein von Mentoren unterstützte Programm, zu dem Konzertauftritte gehören. Regelmäßig kann man die Studentinnen und Studenten nicht nur in der Musikhochschule erleben, sondern bei den Quartalskonzerten in der Brücke|Most-Stiftung und an anderen Orten.

Am Sonnabend wurden im Rahmen der diesjährigen Tschechisch-Deutschen Kulturtage zwei Feiern nachgeholt: jene zum zwanzigjährigen Bestehen der Brücke|Most-Stiftung sowie der 80. Geburtstag des Gründers und Initiator Prof. Dr. Helmut Köser. Auf die Programmzusammenstellung hatte er insofern Einfluß, daß er sich einige der Stipendiaten wünschen durfte. Insofern gab es ein Wiedersehen bzw. -hören mit einigen Alumni, was gleichzeitig die Wirkung des Programms unterstreicht – viele der früheren Studenten stehen mittlerweile fest im Berufsleben. Das trifft auch auf manche aktuelle schon zu: Josef Vlček, der einen Teil des Programms hätte spielen sollen, war aus gutem Grund verhindert, denn mittlerweile ist er 1. Konzertmeister beim Orchester des Theaters Plauen-Zwickau.

Mit der Vielzahl der geförderten Stipendien ließ sich mühelos ein überaus reichhaltiges Programm zusammenstellen. Tschechisch bzw. Böhmisch wurde es ganz explizit schon mit dem schwungvollen Furiant aus der »Verkauften Braut« von Bedřich Smetana (Dirigent: Ekkehard Klemm, Prof. für Orchesterdirigieren und für die Gesamtleitung verantwortlich).

Die Nordböhmische Philharmonie Teplice ist seit langem ein wertvoller Partner der Dresdner Musikhochschule, die erfreut war, das auf Bühne und Chorrang verteilte Orchester endlich wieder in seinem Konzertsaal zu Gast zu haben. Mit ihr gab es ein wundervolles Stück einer besonderen Literatur zu hören: Giovanni Puntos Allegro moderato aus seinem fünften Hornkonzert mit Daniela Roubíčková (Dirigentin: Yixuan Wang), die ebenfalls bereits Hornistin in einem Orchester ist, des Nationaltheaters Prag. Solche Repertoirepflege ist typisch für das Projekt, und: ja, »Giovanni Punto« war kein Italiener, sondern wurde 1746 als Johann Wenzel Stich in Böhmen geboren.

Mit Lucie Ceralová betrat danach eine Alumna die Bühne, die drei Lieder aus den »Zigeunermelodien« Antonín Dvořáks gefühlvoll darbot. Dirigent war wie im nachfolgenden Stück (Adagio aus dem Klavierkonzert von Edvard Grieg mit Alumna Hana Berger) Filip Urban – der erste Tscheche als Dirigent in einem Dresdner Stipendiatenkonzert.

Natürlich ließ sich die gebotene Vielfalt nur in Ausschnitten darstellen. So konnten von Dvořáks Violinkonzert (Solist: Filip Zaykov, Dirigent: Ovanes Ambartsumian) nur zwei Sätze erklingen, die aber Filip Zaykov sowohl von seiner einfühlsamen wie von seiner virtuosen Seite zeigten.

Doppelt schön gelang der Abschluß, denn Felix Mendelssohns »Reformationssinfonie« durfte (zwei Wochen vor dem Fest) ungekürzt erklingen. Gleichzeitig präsentierte sich mit Katharina Dickopf eine Dirigentin, die bereits auf einen beeindruckenden Weg zurückblicken kann. Ihre Möglichkeiten zur Gestaltung sind erheblich gewachsen, sie weiß nicht nur zu leiten, sondern auch einmal loszulassen, kann korrigierend eingreifen. Mendelssohns fünfter Sinfonie wohnte eine Spannung inne, die lichtvoll in den Choral des Schlußsatzes mündete.

17. Oktober 2021, Wolfram Quellmalz

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