Herrnhuter Weihnacht

Vocal Concert Dresden hat Christian Friedrich Gregors »Christ-Nachts-Music« aufgenommen

Schon oft haben sich Peter Kopp und das Vocal Concert Dresden mit Musik zu besonderen Festen in bestimmten Gemeinschaften auseinandergesetzt. Davon zeugt unter anderem die Aufnahme mit Dresdner Freimaurermusik, in der Weihnachtszeit hat das Vocal Concert Dresden mit »Nine Lessons and Carols« in der Loschwitzer Kirche die Weihnachtsfeier des King’s College Cambridge nachempfunden (in diesem Jahr nicht möglich). Auch die neue Weihnachts-CD des Ensembles wendet sich einer Gemeinschaft zu.

»Herrnhuter Weihnacht« nimmt die Christ-Nachts-Music auf, die Christian Friedrich Gregor 1765 für die Herrnhuter Brüdergemeinde zusammengestellt hat. Diese Gemeinde war nicht nur musikalisch aufgeschlossen, sie gründete weitere Gemeinden bis nach Übersee – es verwundert also nicht, daß sich englischsprachige Lieder in ihrer Sammlung finden. Schon eher überrascht die Zusammenstellung, aus einem anderen Grund: die Gottesdienste waren oft »Singstunden«, in denen sogar der Lesungstext gesungen wurde. Dazu kommt, daß sich die Werke für die »Christ-Nachts-Music« nicht allein auf die Weihnachtserzählung beschränken, sondern Teile des Passionsgeschehens aufgreifen.

Mit John Gambold jr., Peter Mortimer, Christian Ludwig Brau oder David Moritz Michael stehen zunächst Herrnhuter Komponisten im Programm, die uns kaum oder gar nicht geläufig sind, die Texte (»Macht hoch die Tür«, »Uns ist ein Kind geboren« und weitere) aber wohl. Und auch musikalisch gibt es (weihnachtliche) Bezüge, wie pastorale Einleitungen und Begleitungen, die das Dresdner Instrumental-Concert dem Chor bereitet. Vordergründig ist meist ein schlichter Liedcharakter – es handelt sich eben nicht um herausgestellte Einzelwerke, sondern um eine liturgische Folge von Strophen und Versen. Im Wechsel wird die Geschichte von Verkündigung und dem eintretenden Wunder in meist innigen, ruhigen Passagen erzählt.

Mit David Moritz Michaels »Hail Infant newborn« ist die Musik dann nicht nur in der englischen Sprache, sondern in der englischen Chortradition angekommen. »Tröstet, tröstet mein Volk« kann wenig später seinen ursprünglichen Schöpfer Georg Friedrich Händel (»Comfort ye« aus dem Messiah)  nicht verbergen.

Ob im Chor oder mit Soli (Mitglieder des Vocal Concert Dresden) – der Liedcharakter trägt. Neben schlichten, eingängigen Titeln wie dem »So sang der Väter Mund« mit der nur von der Orgel begleiteten Sopranistin Christiane Wiese bieten hoffnungsfrohe und festliche Chöre (»Zion hört’s und ist froh«) Gelegenheit für Festglanz. Das kann tief andächtig (»Er ist’s, der Gerechtigkeit lehret« mit Chor und Orgel) und fröhlich lobend klingen (»O daß Ihn doch jedes in fröhlichem Geiste«), dazwischen sind Choräle gesetzt. Zur Brüdergemeinde gehörten übrigens auch Frauen – die musikalische Erziehung der Kinder lag oft ganz ausschließlich in ihren Händen. Soprane und Altstimmen haben daher auch nicht weniger Gewicht als die Männer. Der Teil der Kinder wird vom Philharmonischen Kinderchor beigesteuert. Wer eine musikalische Entdeckungsreise ins Umland unternehmen will, wird beim Vocal Concert Dresden fündig.

Vocal Concert Dresden, Peter Kopp (Leitung), Dresdner Instrumental-Concert, Sebastian Knebel (Orgel): »Herrnhuter Weihnacht. Weihnachtliche Musik für Chor und Orchester«, Christian Friedrich Gregor: Christ-Nachts-Music, erschienen bei Berlin Classics

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