Magnificat!

Marias Lobgesang in der Kreuzvesper

Wir nähern uns dem Weihnachtsfest, die Vorfreude wächst nicht nur, sie wird auch konkreter. Am Sonnabend kam erneut eine größere Gemeinde in die Vesper der Kreuzkirche, so daß zusätzlich die Empore geöffnet werden mußte, obwohl es drinnen »nur« die Orgel und das Wort zu hören gab. Kreuzorganist Holger Gehring hatte das musikalische Programm mit Magnificat überschrieben, dem Lobgesang Marias, der mehrfach erklang.

Jean-Francois Dandrieu, ein Zeitgenosse Bachs, war ein Meister des Cembalos und der Orgel. Er hat zahlreiche ergötzliche und effektvolle Stücke geschrieben, die zu erkunden sich lohnt, darunter gleich mehrere Magnificat. Mit jenem en La Majeur (A-Dur) eröffnete Holger Gehring die Vesper, einer Suite, die zwischen Plein jeu, majestätischem Kathedralklang, Sing- oder Solostimmen (Flöte) und verspielter Ornamentik pendelte, eine klangvolle Einstimmung war.

»Meine Seele erheb(e)t den Herrn«, der Beginn des Magnificat-Textes, er wurde in Choralvorspielen von Johann Gottfried Walther und Johann Sebastian Bach (BWV 648) dargeboten. Der Thomaskantor hatte auch eine Fuga sopra Il Magnificat (BWV 733) gesetzt. Während das Choralvorspiel bei Walther eine fast stille Musik ist, klang es bei Bach mit deutlich gezeichnetem Kontrast zwischen Baß und Oberstimme aus dem Dunkel heraus. Die Fuge stieg im Verlauf in glanzvolle Höhe auf.

Wenn schon nicht gesungen wurde, dann gelesen. Superintendent Christian Behr hatte für die drei Lesungstexte diesmal die Geschichte Marias ausgewählt. Nach der Ankündigung der Geburt Jesu und dem Besuch bei Elisabeth (Mariä Heimsuchung) stand dabei der Lobgesang als gesprochenes Wort im Mittelpunkt.

Mit Josef Gabriel Rheinberger ging es aus der Bachzeit ins 19. Jahrhundert. Die Sonate Nr. 4 in a-Moll über den »Tonus Peregrinus« Opus 98. Der fremde oder neue / neunte Ton (eine Abweichung von den überlieferten Modi der Gregorianik) war Rheinbergers Grundlage, über die er im ersten Satz seiner Sonate variierte. Dabei durchschritt er erstaunliche Weiten, ließ im Intermezzo auch (quasi) ein Solo mit Basso Continuo erklingen. Gleichzeitig stand damit dem Plein jeu Dandrieus vom Anfang ein nochmals großes Orgelspiel gegenüber, das aber bereits romantisch und sinfonisch geprägt war.

Für die Zuhörer, aber auch für zufällig vorbeikommende Gäste gab es im Anschluß noch einmal Turmbläsermusik. Sebastian Schöne (Leitung) und die Dresdner Turmbläser bereiteten dem 4. Advent einen festlichen Einklang, der hier und da zum (vorsichtigen) Mitsingen einlud.

19. Dezember 2021, Wolfram Quellmalz

Am Heiligabend findet 14:15 und 16:30 Uhr die Christvesper (es gilt die 3G-Regel) mit den Kurrendesängern des Kreuzchores (Leitung: Kreuzkantor Roderich Kreile) statt. Platzkarten können in der kommenden Woche im Haus an der Kreuzkirche oder online erworben werden. Mehr Informationen unter: http://www.kreuzkirche-dresden.de

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