Dem Weihnachtsfest entgegen

CD vom Ensemble Tresonare

»Tresonare«, das sind Elke Voigt, die Kantorin der Martin-Luther-Kirche Dresden, die Cellistin Juliane Gilbert und Baß Clemens Heidrich. Musikfreunden sind sie durch ihre Konzerte bekannt – in diesen Tagen hätte Elke Voigt mit dem Bach-Chor der Martin-Luther-Kirche das Weihnachtsoratorium aufführen wollen. Das ist leider abgesagt. Ein kleines musikalisches Weihnachtsfest bzw. einen Gruß aus der Kirche gibt es aber doch: rechtzeitig vor den Feiertagen ist »puer natus est« mit Musik zur Christnacht erschienen.

»Puer natus est« ist ein gregorianischer Introitus für den Weihnachtstag, , die CD beginnt auch mit einem solchen. Und sogleich spürt man den großen Raum, das Kirchenschiff, womit sich erstaunlicherweise eine Chörigkeit entwickelt, obwohl doch maximal nur drei Stimmen beteiligt sind. Alle Mitwirkenden singen, Elke Voigt (Sopran) und Juliane Gilbert (Alt) spielen zusätzlich Instrumente. Neben Cello und Orgel kommt so noch die Flöte (Elke Voigt) zum Einsatz, Clemens Heidrich übernimmt die gelesenen Texte. Ihr Programm entspricht der Abfolge in der Christnacht und mit Teilen der Weihnachtsgeschichte, Chorälen, Liedern und Instrumentalstücken einer Annäherung an das Fest. Dabei gehen Stücke und Lesungen ineinander über, das die Lesung begleitende Violoncello geht direkt zu »Es kommt ein Schiff geladen« (Heidrich) über, später stimmen Orgel und Alt mit ein. Dieser Wechsel sorgt weniger für Abwechslung, als daß er in feinen Schattierungen unterschiedliche Strophen ausmalt, es scheint beinahe, als wäre die gesamte Aufnahme ein Lied in vielen Strophen.

Die kleine Besetzung wirkt niemals klein, schon deshalb, weil Stimmen und Instrumente den Raum über die reine Hallwirkung hinaus auszufüllen vermögen. Der Wechsel umfaßt zudem Charakter, Ambitus und Farbreichtum der Stücke. Clemens Heidrichs schöner Baß kann in Händels »For behold« und »The people that walked« (aus dem Messias) himmlisch strahlen, den Jubel von »Macht hoch die Tür« stimmt die Königin der Instrumente in einem Choralvorspiel an, gleiches widerfährt später (nun auch mit Gesang) »Vom Himmel hoch« – wir sollten im zu Ende gehenden Jahr nicht vergessen, diese Königin zu feiern!

Was besonders einnimmt, ist der Verlauf, der sich mit der Aufnahme ergibt. Kontraste sind dramaturgisch gesetzt, werden aber in der Musik, und nicht als Kontrast (oder Stilmittel) wahrgenommen. Auch ist der Verlauf nicht eintönig gleichförmig, oft gibt es instrumentale Änderungen oder hinzutretende Stimmen. So gerät »Maria durch ein Dornwald ging« besonders anrührend, Jehan Alains von tresonare für Orgel und Violoncello arrangierten Variationen über ein Thema von Clément Janequin schimmern in kammermusikalischer Intimität, »Stille Nacht« folgt in einer Bearbeitung für Orgel von Zsolt Gárdonyi.

Natürlich dürfen so wichtige Weihnachtslieder wie »Es ist ein Ros entsprungen« nicht fehlen. Es erklingt mehrstimmig, und das hohe Cello im Hintergrund suggeriert ein wenig einen weiter entfernt stehenden Bläser. Daß Weihnachten ein Fest ist, das man fröhlich feiern darf, zeigt die darauffolgende Galliarde von William Byrd – wegen des tänzerischen Effekts dürfen nun ein paar Perkussionsinstrumente nicht fehlen! Und Byrd darf gleich mehrmals aufspielen, bevor es mit Paul Gerhards »Ich steh an deiner Krippen hier« wieder besinnlicher wird. Claudio Monteverdi (»O bone Jesu«) und »Puer natus est« beschließen die Feier mit einem betörenden Gesang zur Christnacht.

Dezember 2021, Wolfram Quellmalz

Ensemble tresonare (Elke Voigt, Juliane Gilbert und Clemens Heidrich) »puer natus est«, Christnacht aus der Martin-Luther-Kirche Dresden, ebenfalls erhältlich: »zeitvermählt« Texte von Hermann Hesse und Musik nicht nur zur Sommerzeit

Die CDs können über die Internetseite des Ensembles: www.tresonare.de/, im Bläseratelier »Triole« (Schweriner Straße), bei Sweetwater CDs (Friedrich-Wieck-Straße 4) und ZentralOHRgan (Louisenstraße 22) erworben werden. »puer natus est« ist darüber hinaus im Kirchspiel Dresden Neustadt, Haus der Kirche (Hauptstraße), Jacques Weindepot (Königsbrücker Straße 40), Richters Buchhandlung (Förstereistraße 44) erhältlich, »Zeitvermählt« im Pfarrbüro St. Elisabeth, Borsbergstraße 13 (bitte Öffnungszeiten beachten).

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