Genuß mit temporären Trübungen

Sonderkonzert der Dresdner Musikfestspiele mit Peter Rösel und den Kapellsolisten mit einem unruhigen Publikum

Die Dresdner Kapellsolisten sind schon ein Phänomen. Zwar sind viele ihrer Mitglieder Kollegen, die in anderen Orchestern zusammen spielen, aber eben nicht alle. Als Ensemble finden sie nur für Projekte zusammen und haben derzeit weniger Auftritte. Trotzdem gelingt es dem Leiter Helmut Branny immer wieder, scheinbar mühelos einen ansprechenden Klang zu formen, warme Streicher und saubere Bläser zu verbinden. Am Sonntagnachmittag spielten die Kapellsolisten in einem Sonderkonzert der Dresdner Musikfestspiele zwei Mozart-Konzerte mit dem Pianisten Peter Rösel. Dem hatte der Anlaß eigentlich schon vor zwei Jahren gegolten – nun gab es das Konzert eben zum 77., nicht zum 75. Geburtstag. Wegen der starken Kartennachfrage wurde das Konzert am Abend noch einmal wiederholt.

Zwei von ursprünglich drei geplanten Werken, die Klavierkonzerte Nr. 20 (KV 466) und 21 (KV 467) Wolfgang Amadé Mozarts, Schwestern in d-Moll und C-Dur, waren aus dem ursprünglich Programm geblieben. Sie zeigen den Komponisten auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskunst in der Gattung – man fragt sich unwillkürlich, was ihm noch eingefallen sein würde, wäre nicht die Oper so in Mode gewesen, daß der Komponist sich vom Klavierkonzert abwandte.

Gediegenheit und Eleganz boten beide Konzerte, ohne daß man dabei einer Opulenz überdrüssig wurde. Mehr noch: obwohl die Kapellsolisten kein Originalklangensemble sind, haben sie ihre Sinne dahingehend geschärft. So fiel schon in der Einleitung das schnittige Gegenüber von Streicherfundament, Pauke und »spitzer« Flöte auf. Auch hier kein Übermaß, aber die Pauke sorgte nicht nur für Rhythmus, sie trieb an, die Flöte verlieh dem ersten Satz musikalische I-Tüpfelchen.

Im Mittelpunkt stand natürlich das Klavier. Peter Rösel kann dank einer stupenden Technik Mozarts Eleganz aufleben lassen, als geschehe es so nebenbei. Helmut Branny brachte Solist und Orchester dicht in einen Verbund, ein kleines Echo des Fagotts auf das Klavier war um so wirkungsvoller.

Wie schade, daß sich nach dem ersten Satz sogleich eine Unruhe einstellte. Die Romance wollten Rösel und Branny so wohl nicht beginnen, ihr Abwarten führte aber nicht zu Ruhe, sondern zu Applaus – damit war die schöne Spannung dahin (und wurde später noch durch Handyklingeln gestört). Dirigenten sollten heutzutage wohl eine unmißverständliche Geste im Repertoire haben, die Applaus an der falschen Stelle unterbindet. Es würde lohnen, denn es besteht eine Bindung zwischen den Sätzen. In diesen beiden Klavierkonzerten zum Beispiel folgt auf eine Eröffnung, die dramatische Ausblicke wie eine Ouvertüre gewährt, eine innige Entspannung. Träumerisch im einen Konzert, tänzerisch im anderen – dem nachzuspüren ist noch wertvoller, wenn man diese »Traumstücke« nicht aus dem Zusammenhang reißt.

Begeisternd war auch der Zusammenhang von Solist und Orchester, etwa im Wechselspiel der Kadenzen (die manchmal auf Beethoven vorauszuweisen schienen) und der vorausgehenden oder nachfolgenden Ausführung des Orchesters. Nach einem präzis gesetzten Schlußpunkt konnte also noch nicht das Ende erreicht sein. Ursprünglich hätte jetzt das Konzert Nr. 23 (KV 488) folgen sollen. Als Meister der leisen Töne schlossen Peter Rösel und die Kapellsolisten das Andante als Zugabe an.

7. Februar 2022, Wolfram Quellmalz

Fans von Peter Rösel dürfen sich schon auf einen Klavierabend mit ihm im DresdnerKulturpalast freuen. Am 8. April spielt er Werke von Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert (mehr unter www.kulturpalast-dresden.de oder http://vienna-classic.com/). Die Dresdner Musikfestspiele empfangen ab dem 11. Mai wieder Künstler und Gäste, der Vorverkauf hat begonnen (http://www.musikfestspiele.com).

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