Singt Schütz! – spricht an

Projekt der Sächsischen Kantoreien mit der Capella de la Torre

Als die Capella de la Torre vor über drei Jahren angesprochen wurde, sich an einem Projekt mit sächsischen Kantoreien zu beteiligen, bei dem die Musik von Heinrich Schütz gesungen werden sollte, sagte sie sofort zu. Das Projekt habe sie begeistert, erinnert sich Leiterin Katharina Bäuml. In der vergangenen Woche konnte das Programm, das ursprünglich bereits im Februar starten sollte, beginnen. Nach dem Auftakt im Freiberger Dom endete am Sonntag das erste lange Wochenende in der Himmelfahrtskirche Dresden-Leuben.

Es ist wohl mehr als allein das Zusammentreffen von Laien und Profis, das Moderator Martin Krumbiegel lobte, das Projekt wird vom gemeinsamen Musizieren getragen. So wie in Leuben (Kantoreien der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Dresden-Ost und Kantorei Gruna-Seidnitz) sind jeweils zwei Chöre oder Kantoreien beteiligt, oder es sind erweitere Chöre. Dazu gehören – wie am Donnerstag in Freiberg – auch Jugendkantoreien, der Nachwuchs ist auch hier inbegriffen.  Meist stehen um die 70 Sängerinnen und Sänger hinter Katharina Bäuml, die zunächst ein wenig in Sorge war, wie das klappen wird – vier verschiedene Chöre in vier Tagen. Doch es habe funktioniert, »als würde man das Licht anschalten«.

Das erlebten am Sonntag die Zuhörer in Altleuben. Katharina Reibiger und Charlotte Kress, die beiden Kantorinnen, dirigierten die von ihnen vorbereiteten Chöre a cappella oder mit Instrumentalbegleitung.

Die Capella de la Torre (zu deutsch etwa »Turmbläser«) hat ein eigenes, typisches musikalisches Gewand. Ihre Instrumente kannte schon Heinrich Schütz, doch verzichtet das Ensemble im Gegensatz zu anderen zum Bespiel auf Streicher: Mit Schalmeien / Chalumeau (aus Holz), Dulzian und Posaune bestimmen die Bläser den Ton, sind aber in Besetzung und Klangfarbe flexibel. Es gibt verschiedene Stimmlagen, den tiefen Dulzian tauschte Annette Hils einmal gegen eine kleine Flöte, so wie Frank Pschichholz zwischen Chitarrone und Barockgitarre wechselte. Dazu – und das ist Teil des typischen Klangbildes – gibt es viele Perkussionsinstrumente (Mike Turnbull). Das erhöht nicht zuletzt den Spaß (auch beim Erarbeiten für die Ausführenden), manchmal wurde es der Trommeln und Glöckchen aber etwas viel, wie vor dem letzten Stück, Heinrich Schütz‘ »Verleih uns Frieden« (SWV 354).

Die Freude am Projekt, am Singen, war den Chören deutlich anzumerken. Nicht nur mit und ohne Begleitung, auch in der Aufstellung gab es in den fünf Werken Variationen. Mit zwei Stücken aus den Becker-Psaltern, »Freut euch des Herrn, ihr Christen all« (SWV 130, mit Instrumentalensemble) und »Der Herr ist mein getreuer Hirt« (SWV 120, a cappella) hatte es begonnen, in der Mitte sorgte Hans Leo Hasslers Cantate Domino im Verbund von Chor, Ensemble und Solosopranistin Cécile Kempenaers für den vielleicht expressivsten Eindruck der Gesangsstücke – »Verleih uns Frieden« wiederum ging am Ende des Programms allen wohl besonders nahe. Dazwischen präsentierte sich die Capella de la Torre mit Instrumentalwerken von Moritz Landgraf von Hessen (einem Förderer Heinrich Schütz‘), Andrea Falconieri und anderen.

Die Zuhörer durften schließlich mehr »mitnehmen« als nur einen guten, schönen Eindruck. Denn Katharina Bäuml hatte mit ihrer Capella unter anderem die Battaglia eines anonymen Komponisten in der Fassung von Johann Caspar von Kerll gespielt. »Battaglia«, erfuhr das Publikum in der Moderation, ist eine Schlachtenmusik, wie sie auch in Schütz‘ »Verleih uns Frieden« mit den Zeilen » es ist doch ja kein ander nicht, | der für uns könnte streiten« eingegangen ist.

Das Projekt kam an, bei den Kantoreien wie den Zuhörern, und so kam am Ende noch einmal Hans Leo Hassler zu Wort: Tanzen und Springen war als Entsprechung des Projektes eine gute Wahl.

2. Mai 2022, Wolfram Quellmalz

»Singt Schütz!« geht weiter. Ende Juni / Anfang Juli gibt es ein weiteres langes Wochenende mit der Capella de la Torre in vier sächsischen Kirchen, bevor im Herbst der Abschluß erfolgt. Dann, am 15. Oktober, sind alle Chöre noch einmal im Rahmen einer Kreuzvesper in Dresden zu erleben. Weitere Informationen unter:

http://www.singt-schuetz2022.de

http://www.kirchenchorwerk-sachsen.de

http://www.schuetz22.de

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