Dunkle Schönheit und fast ein Fugenfest

Dresdner Kammerchor Gast beim Zelenka-Festival

Gerade erst konnten wir den Dresdner Kammerchor beim Heinrich Schütz Musikfest erleben, da kam er zwei Tage später bereits mit einem anderen Programm in die Annenkirche zum Zelenka-Festival zurück. Genaugenommen ging es gar reihum, denn am 12. Oktober war das Programm bereits in Prag zu hören, nach zwei Schütz-Tagen in Dresden und Weißenfels (14. und 15. Oktober) wurde es in Dresden noch einmal wiederholt. Wie in den letzten Jahren waren hier Adam Viktora und das Ensemble Inégal die musikalischen Partner.

Der Dresdner Kammerchor beim Zelenka-Festival in der Dresdner Annenkirche. Photo: NMB

Nach Schütz also Jan Dismas Zelenka, der einst das Dresdner Musikleben ebenso bereicherte. Er war – gut einhundert Jahre nach Schütz – Hof-, später Kirchen-Compositeur. Zwar nicht so lang wie der Sagittarius, aber dennoch (mit Unterbrechung) für 35 Jahre. Sein kompositorischer Beitrag war enorm, vor allem für den Gebrauch in der Katholischen Hofkirche entstanden viele Werke. In den letzten Jahren hat sich vor allem die Annenkirche als ein Zentrum der Wiederentdeckung Zelenkas entwickelt.

Psalmi Vespertini I. lautete der Programmtitel und griff damit die eine Sammlung mit Psalmvertonungen auf, mit denen Zelenka – ähnlich wie Bach mit seinen Kantaten für den Gottesdienst – die katholische Liturgie des Jahres musikalisch ausfüllen konnte.

Daran, daß Jan Dismas Zelenka ursprünglich Kontrabassist gewesen ist, lag es wohl kaum, sondern wohl eher an den Psalmtexten, daß viele der Stücke ein wenig »dunkler« klangen, wobei dieses Attribut hier im musikalisch-gediegenen Sinn gemeint ist. Das traf auch den Charakter der jeweils höheren Solostimmen: Sopranistin Gabriela Eibenová (die sehr flexibel agierte) und Tenor Tobias Hunger fanden Ausdruck vor allem in mittleren und unteren Lagen und näherten sich so auf interessante Weise ihren jeweiligen Gegenübern (David Erler / Alt und Roman Hoza / Baß). So reichte Gabriela Eibenovás Rolle im Confitebor tibi Domine (ZWV 72) deutlich in den Bereich Mezzosopran, wenn nicht Alt. Diese Gediegenheit tat wohl und sorgte für Entspannung zwischen den lebhaften, teils »feurigen« Titeln wie dem Dixit Dominus (ZWV 66) zu Beginn.

Reizvoll an den Stücken war das Gegenüber von Chor und Solisten. Hier trafen sich individuelle Rollengestaltung und homogener Fluß – immer wieder führte dies quasi auf einen Gipfel, denn viele der Stücke endeten mit einer Chorfuge (oft mit einem bekräftigenden »Amen«).

David Erler hatte seine Soli noch mit einem etwas kräftigen Strahlen begonnen, fand aber nach und nach in einen immer weicheren Klang, ohne daß dabei die Kraft nachgelassen hätte. Roman Hoza gestaltete den Baß – ebenfalls über viele Klangstufen – souverän. Im abschließenden De profundis (ZWV 97) gab es mit den beiden Chorbässen Felix Rumpf und Carl-Benedikt Schlegel gar ein Baßtrio – erstaunlich war einerseits die Geschmeidigkeit, andererseits die Gleichwertigkeit der drei Partien sowie daß die Abdunkelung eben für Tiefe stand, aber nicht für Trauer oder Traurigkeit. Die Geschmeidigkeit des Chores wiederum (Einstudierung: Tobias Mäthger) gestattete es, sowohl diese Ruhe als auch das festliche Funkeln darzustellen. Das Sicut erat aus ZWV 97 mußte als Zugabe wiederholt werden.

17. Oktober 2022, Wolfram Quellmalz

Das nächste Konzert mit dem Dresdner Kammerchor gibt es am 9. November in der Dresdner Annenkirche (öffentliche Probe: 7. November / Annenkirche). Ekaterina Antonenko dirigiert dann das Gedenkkonzert »Jenseits der Worte« zum 9. November mit Musik von Herman Berlinski, Alfred Schnittke, David Lang und Morton Feldman. Einen Tag zuvor ist der Chor bereits auf BR Klassik in der Mittagssendung »Tafel-Confect« zu hören.

http://www.dresdner-kammerchor.de

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