Das Leuchten der Weihnacht

Christmette des Kreuzchores am Ersten Weihnachtstag

Wer stellt sich – ausgerechnet an einem Feiertag! – schon den Wecker auf kurz vor fünf, um am Morgen eine Christmette zu erleben? Antwort: Jede Menge Leute! So zumindest beim Dresdner Kreuzchor. Am Wochenende hieß es wieder rechtzeitig da sein und anstehen, um einen Platz zu bekommen. Nach der zweimal zu Heiligabend aufgeführten Christvesper gab es am Sonntag, dem Ersten Weihnachtstag, wieder eine Christmette um 6:00 Uhr. Die Tradition ist beim Chor fest verankert, denn die Mette folgt der vom damaligen Kreuzkantor Rudolf Mauersberger ersonnenen Abfolge, deren Komposition sogar in Mauersbergers Werkverzeichnis als RMWV 73 eingegangen ist (Erstfassung 1936, letztmalig 1961 überarbeitet).

Photo: NMB

Die Christmette faßt Andacht (Geistliches Wort, Gebet, Segen), Musik und die Weihnachtsgeschichte zusammen, neben bekannten Weihnachtsliedern erklingen solche von Rudolf Mauersberger (oder in seinem Satz) sowie gelesene Teile (Evangelium, Weihnachtsgeschichte nach Lukas und Matthäus). Einen Schwerpunkt setzte Rudolf Mauersberger in zahlreichen Hirtenmelodien bzw. -musiken, für die Ankunft der Drei Weisen aus dem Morgenland wählte er gar orientalische Anklänge. Am Beginn der Christmette steht ein Introitus, den Mauersberger damals selbst komponiert hat (»Es jauchzet der Himmel und frohlocke die Erde vor Gottes Angesicht«) – eine Form und Auffassung, welcher der Kreuzchor heute auch in den normalen Vespern wieder verstärkt folgt, für die Wilfried Krätzschmer die Eingangsstücke schreibt.

Doch die Musik, selbst wenn man nur die bekanntesten Stücke erwähnte (»Es ist ein Ros‘ entsprungen«, »Vom Himmel hoch, da komm ich her«, selbstverständlich gehörte »Stille Nacht« mit Beteiligung der Gemeinde dazu) beschriebe nur unzureichend, was in einer Christmette passiert. Denn sie besteht wesentlich aus dem Krippenspiel der Kruzianer, die beherzt ihre Texte vortrugen, was auch gerne einmal etwas überdeutlich passieren durfte (»Mein Gott, ist das eine kalte Nacht, daß mir das Herz im Leibe kracht!!!«).

Das Herz war in jedem Fall dabei, bei den Kruzianern ebenso wie bei der Gemeinde. Ein Erstarren in Ehrfurcht war da nicht vonnöten, auch nicht angebracht – vielmehr konnte man sich an den vielen Facetten, die der Knabenchor zu bieten hat, erfreuen. Über verschiedene Chorpassagen (mit einer wunderbaren, von Kruzianer Anton Matthes geleiteten Kurrende!) hinaus gab es zahlreiche Soli (Benjamin Taubert / Joseph, Theo Kautz, Benno Steigmann, Friedrich Schöne und Julian Deckert als Hirten und weitere mehr). Aus dem Gesang des Engelschores, der ohnehin schon betörend war, trat als verkündender Engel Justus Helke mit der Weihnachtsbotschaft (»Fürchtet euch nicht«) hervor, Simeon Anwand hatte die Rolle Marias übernommen, sang ebenso anrührend, mit großer Klarheit und Verständlichkeit. Allein diese beiden Soli, wie sie durch das große Kirchenschiff schwebten, waren ein Erlebnis, welches den frühen Tageszeitpunkt nicht nur rechtfertigte, sondern vergoldeten!

Mit dem Eintreffen des Weihnachtswunders bzw. dessen Darstellung begann draußen die Dämmerung. Im komplexen Gefüge, das dramaturgisch gegeben vorhanden ist (Werkteile, Chor, Kurrende, Solisten, Instrumentalisten) war nirgends eine Lücke, ein Spalt, eine Kluft zu spüren. Kreuzkantor Martin Lehmann, der diesmal fast verborgen von oben aus leitete, dort wo der Chor postiert war, hatte die Kruzianer offenbar bestens vorbereitet, die Rollen gut verteilt – Kruzianer sein heißt eben nicht nur »folgen«, sondern selbst Verantwortung übernehmen, beitragen. Zudem konnten sich die Sänger auf die Unterstützung der Spieler aus den Reihen der Dresdner Philharmonie (vor allem Oboist Guido Titze) sowie Kreuzorganist Holger Gehring verlassen – der Begriff des »wunderbaren« lag hier nicht nur dem Tag und Anlaß nach nahe, er wurde auch musikalisch erfüllt!

Den nächsten Auftritt des Dresdner Kreuzchores gibt es bereits am Sonnabend im Rahmen der Silvestervesper(Achtung, beginnt bereits 16:00 Uhr!) mit Kantate Nr. 4 aus Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium und weiteren Werken. Solisten: Heidi Maria Taubert (Sopran), Kruzianer Fabian Anwand (Echo-Sopran), Stephan Scherpe (Tenor), Clemens Heidrich (Baß), Sinfonietta Dresden, Leitung: Kreuzkantor Martin Lehmann

http://www.kreuzkirche-dresden.de

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