Cappella Musica Dresden im Festkonzert im großen Saal der Parksäle Dippoldiswalde
Vor 100 Jahren wurde der Große Saal in den Parksälen Dippoldiswalde eröffnet. Neben einem Pavillon und in der Nachfolge des Schützenhauses war es fortan ein Veranstaltungsort für festliche Bankette, Theateraufführungen, für private und öffentliche Festivitäten. Das Haus sah aber auch traurigere Anlässe – in Kriegszeiten diente es als Lazarett. Nach dem Krieg war ein Kindergarten hier zu Hause, doch in den 1960er Jahren kehrten regelmäßige kulturelle Veranstaltungen zurück. Noch bis vor wenigen Jahren war das im Haus befindliche Lokal geöffnet.
Seit 1978 ist die Kammermusikreihe »Meisterinterpreten« regelmäßig zu Gast – ihr steht also in absehbarer Zeit ebenfalls ein Jubiläum bevor. Am Sonntag eröffnete Oberbürgermeisterin Kerstin Körner das Festkonzert in den Parksälen und würdigte noch einmal die Verdienste derer, die dazu beitragen, den Kultursaal zu erhalten und zu beleben.

Das Konzert wurde von der Cappella Musica Dresden (Susanne Branny und Mechthild von Ryssel / Violine, Stephan Pätzold / Viola, Simon Kalbhenn / Violoncello, Helmut Branny / Kontrabaß, Leitung) gestaltet, die sich sozusagen in eigener Sache engagierte, denn sie hat quasi ein Hausrecht bei den »Meisterinterpreten«. Doch nicht nur das – einige der Werke waren eigens für den Anlaß eingerichtet.
Wolfgang Amadé Mozart durfte den Nachmittag mit dem Divertimento F-Dur (KV 138) eröffnen. Die festliche italienische Satztechnik erinnerte einerseits an die Oper, andererseits traten die Stimmen kontrapunktisch verflochten hervor – die Kammerformation der Dresdner Kapellsolisten, als die die Cappella Musica Dresden gilt, erreichte einen großen Klang, also deutlich mehr als den eines Streichquintetts, was die Cappella der Besetzung nach ist.
Auf Mozarts Ausgelassenheit folgten, kaum weniger raffiniert, Franz Schuberts Fünf Deutsche Tänze und sieben Trios (D 89). Nicht die Opernbühne, sondern die Launigkeit und Geselligkeit, wie sie Schubert geschätzt hat (in der man ihn aber auch als Klavierspieler schätzte), war eine im Grunde sinnige Fortsetzung, schließlich finden in den Parksälen bis heute Tanzstunden statt!
Zu feiern gab es aber noch mehr als nur das Jubiläum des Großen Saals – Carl Maria von Weber wird in diesem Jahr gleich mit zwei Anlässen gedacht: neben seinem 240. Geburtstag im Herbst jährte sich vor wenigen Tagen sein Todesdatum zum 200. Mal. Nikolaus Branny, an sich Pianist, hatte eigens eine Bearbeitung der Freischütz-Ouvertüre Webers erstellt, in der man sämtliche markante Stellen des Stücks wiederfand – auch Hörner und Pauken, wiewohl abwesend, hatten in der Übertragung eine Entsprechung gefunden, etwa im kernigen Violoncello oder tremolierenden Streichern.
Nach der Pause steigerten sich die Gründe, etwas zu feiern. So hatte die Cappella in der großen Formation der Kapellsolisten bereits zwei Opern Amalie von Sachsens aufgeführt, zuletzt »La fedeltà alla prova« im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele [NMB berichteten: https://neuemusikalischeblaetter.com/2026/06/17/dresdner-musikfestspiele-mit-einem-beweis-fur-die-kraft-der-echten-liebe/]. Doch Petra Andrejewski, die die Werke entdeckt und eingerichtet hatte, ist bereits dem nächsten auf der Spur: Amalies erster Oper überhaupt, »Una donna«. Die Ouvertüre gab eine Kostprobe, die sich nach hingebungsvoller Eröffnung noch zu steigern wußte – wird es eine Fortsetzung (die ganze Oper?) geben?
Auch Jubilar Carl Maria von Weber durfte noch einmal feiern und auftreten. Die »Aufforderung zum Tanz« hatte Jörg Kettmann, ebenfalls Mitglied der Kapellsolisten, für das Quintett eingerichtet. Die kleine Reminiszenz an den Tanzsaal gelang rhythmisch ausgesprochen bewegt und fein ausgeführt, denn – Susanne Branny hatte darauf hingewiesen – neben dem Schwung des eigentlichen Tanzes gehören die grazile Aufforderung ebenso zum Stück wie der elegante Schluß, wenn der Kavalier die Tanzpartnerin an ihren Platz zurückbringt.

Johann Strauss (Sohn) durfte im vergangenen Jahr schon feiern (200. Geburtstag), was unter anderem in einer CD dokumentiert ist. Am Sonntag wurde sein »Sinngedichte«-Walzer aufgelegt, bevor nach ganz andere, wildere Klänge durch den Tanzsaal fegten, Auszüge aus Leonard Bernsteins »West Side Story«.
Dem zahlreichen Publikum war das noch nicht genug, daher gab es zwei Kostproben extra: auf Scott Joplins »The entertainer« folgte das Paul-Gerhard-Lied »Geh aus, mein Herz, und suche Freud« zum Mitsingen.
22. Juni 2026, Wolfram Quellmalz