Frühlingserweckung der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin

Mit Ravel, Haydn und Schumann ans Licht

Im vierten Sinfoniekonzert begrüßte die Mecklenburgische Staatskapelle zwei Gäste auf der Bühne: Dirigent Charles Olivieri-Munroe und der Trompeter Simon Höfele sorgten, während es draußen stürmte, auch musikalisch für ordentlich frischen Wind. Das Programm reichte von Ravel über Haydn bis zu Schumann, doch so einfach, daß Wiener Klassik auf Impressionismus folgte und in die Romantik führte, machte es Charles Olivieri-Munroe dem Publikum dann doch nicht – im Gegenteil.

Maurice Ravels »Le Tombeau de Couperin« enthält zwar jene pastellene Farbigkeit, welche im frühen Zwanzigsten Jahrhundert die französische Musik noch stark bestimmte, doch darf sie eben nicht als (nationales) Stereotyp verstanden werden, denn der Aufbruch in die Moderne war längst vollzogen. Und nicht zuletzt dadurch, daß Ravel das Werk zwar in seiner Anlage als Suite auf François Couperin bezog, die Sätze aber im Krieg gefallenen Freunden widmete, weist das Stück bereits eine strukturelle und textuelle Mehrschichtigkeit auf. Dabei sind die für das Orchester übertragenen Sätze (des ursprünglichen Klavierstückes) in Orchesterfarben gedacht und geschrieben, wie Charles Olivieri-Munroe in der Moderation feststellte. Während anderen Kompositionen manchmal anzumerken sei, daß sie »vom Klavier kommen«, hat Ravel die ganze Instrumentenpalette zu nutzen gewußt.

Und diese Palette hatte auch Charles Olivieri-Munroe studiert, setzte den leichten Pastelltönen die Akzente markanter Schattierungen auf, ließ die Blechbläser leicht schneidend hervortreten, ohne jedoch den harmonischen Zusammenhalt aufzugeben.

Bei Joseph Haydns Trompetenkonzert Es-Dur jedoch, so der Dirigent, bestimme allein der Solist, wohin die Reise gehe. So blieben Orchester, Dirigent und Trompeter dem harmonischen Prinzip treu und fanden zu einem erquicklichen Dialog. Nicht zuletzt, weil Simon Höfele über eine exzellente Technik verfügt, die er nicht »vorführen« muß. Gerade im ersten Satz blieb seine Brillanz erstaunlich gelassen, entspannt, im Andante zeichnete er sängerisch die Kantabilität des Werkes nach, um hernach den Parcours des Finales um so prächtiger vorzutragen. Hier nun ließ es Höfele glitzern und glimmern, ohne seine Lockerheit und Eleganz aufzugeben.

In seiner Zugabe setzte er noch eins drauf und offenbarte ganz andere Effekte: »Exposed Throat« von HK Gruber verlangt nicht nur ein virtuoses Trompetenspiel, sondern ebensolches, fast tänzerisches Füßestampfen.

Solchermaßen erfrischt bekamen die Zuhörer nach der Pause noch Robert Schumanns erste Sinfonie, die Frühlingssinfonie, zu hören. Auch hier sorgte Charles Olivieri-Munroe für besondere Betonungen, verlegte sich auf die Herausarbeitung von Akzenten. Schon das Tremolo der Trompeten in der Einleitung peitschte Schumanns Musik voran, als sollte der Frühling nicht einfach kommen, sondern eingeläutet, herbeigerufen werden. Etwas übermütig klang dies dann doch, vor allem im Scherzo.

Falls da noch Fragen (an den Frühling) offengeblieben waren, so wischte die Mecklenburgische Staatskapelle diese mit dem Allegro animato e grazioso hinweg. Fröhlich brausend tobte der Frühlingswind auf der Bühne, von Bläsern den Stimmführern der Streicher besonders geschärft und betont.

12. Februar 2019, Wolfram Quellmalz

Werke von Ravel – Haydn und Schumann, noch einmal zu erleben heute und morgen abend im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters

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