Elfen, Nymphen und Narren in der Semperoper

Programm der Staatskapelle rankt sich um »Ein Sommernachtstraum«

Gleich drei musikalische Werke hatten Vladimir Jurowski und die Sächsische Staatskapelle aufs Programm des 10. Sinfoniekonzertes gesetzt, die sich auf Shakespeares »Ein Sommernachtstraum« (oder Auszüge daraus) beziehen: die Ouvertüre zu Carl Maria von Webers »Oberon«, Hans Werner Henzes achte Sinfonie sowie Felix Mendelssohns Bühnenmusik »Ein Sommernachtstraum«.

Die Unbeständigkeit von Mann und Frau bzw. deren Treue hinterfragten (und bewiesen) die Werke höchst unterschiedlich. Der Komponist Jörg Widmann bekannte anläßlich eines Besuches in Dresden kürzlich, daß er (auch) Webers Instrumentierung für einzigartig und genial halte – so müßte man es können! Carl Maria von Weber wußte nicht nur Stimmungen zu erzeugen, sondern Figuren und Welten aus Tönen zu schaffen. Die Oberon-Ouvertüre ist dafür beispielhaft, wie man am Donnerstagabend wieder erleben konnte, sie war schlicht delikat. Denn es blieb nicht bei der von Hörnern beschworenen wehmütigen Ferne, welche von den Flöten erfrischt wurde, dem Zauber, den Violen und Violoncelli verbreiteten. Luzide, klar und durchhörbar nahm die Ouvertüre Gestalt an. Dabei pflegte Vladimir Jurowski schon hier ein flottes Tempo, eine muntere Jagd der Figuren, und wenn sich auf einen »Schlag« die Stimmung änderte, setzte der Dirigent damit einen betonten Akzent.

Das Wirken eines Capell-Compositeurs wird vor allem dann nachhaltig, wenn seine Werke noch nach der »Amtszeit« aufgeführt werden. Dies trifft natürlich auch auf Hans Werner Henze zu, dem die Spielzeit 2012 / 13 gegolten hatte. Seine achte Sinfonie bezieht sich auf Episoden aus dem »Sommernachtstraum«. Darin erweist sich der Komponist als Tonschöpfer, der mit einem großen Orchesterapparat, vor allem den Streichern, mit Klavier und Celesta, eine Zauberatmosphäre schafft, über die sich die Stimmen der Bläser erheben. Über dem Grund wogten und dräuten (Pauken) Gebilde, ein Gewölk, das fast greifbar wurde, schließlich lichter, und eine verblüffende Klarheit mit nahezu „sprechenden“ Holzbläsern erreichte. Stapfend, schleichend bewegte sich die Sinfonie fort, sorgten knackige Posaunen und Tuben für markante Einschnitte, während die Akkorde der Streicher gläsern, fast fragil wirkten. Und wenn Henze den Mondschimmer von der Harfe illustrieren ließ, war dies weitab jeden Kitschs.

Isabell Karajan hatte aus dem Proszenium bereits einleitende Texte zu Henzes Sommernachtstraum gesprochen, für Mendelssohns Bühnenmusik kam sie nun dorthin, huschte, tobte und alberte zwischen den Musikern und dem »Fürsten« Jurowski. Ein wenig zu albern mag man das finden – zwar war es ursprünglich einmal so gedacht, doch hätte man die Musik in dieser Qualität vielleicht lieber »ungestört« genossen. Problematisch blieb, daß Karajans Verständlichkeit (über Lautsprecher) wohl abhängig vom Sitzplatz sehr unterschiedlich war.

Sehr flott ließ Vladimir Jurowski den Blechbläserchor pointiert auffahren, traumverhangen sponn er das Notturno; ergötzlich, wie sich Flöte, Oboe und Klarinette umgaukelten! Wunderbar in Artikulation und Übereinstimmung waren die Sänger: die kurzfristig eingesprungene Mezzosopranistin Stepanka Pucalkova (Mezzosopran) und Tuuli Takala (Sopran) ließen gemeinsam mit den Damen des Dresdner Kammerchores (Einstudierung: Michael Käppler) mit wahrlich elfenhaftem Gesang aufhorchen. So fein wie leise und hörbar – großartig!

10. Mai 2019, Wolfram Quellmalz

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