Très vif!

Professoren im Konzert mit Stéphane Réty

In kurzer Folge gab es in den Maitagen gleich mehrere Professorenkonzerte an der Dresdner Musikhochschule. Am Freitag stand noch einmal ein Holzbläser im Mittelpunkt: Stéphane Réty, der eine Professur (Flöte) an der Hochschule innehat. Seine kammermusikalischen Partner waren Norbert Anger (Solocellist der Sächsischen Staatskapelle) sowie Prof. Andreas Hecker (Klavier). Doch nicht nur Professoren waren im Konzert – erfreulicherweise konnte man gerade von den Studentinnen und Schülerinnen manche im Saal erblicken. Und nicht nur das – Emmanuel Pahud, der am Wochenende als Solist der Philharmonie eingeladen war, schaute ebenfalls beim Kollegen vorbei.

Und der hatte – wie immer – ein erfrischendes Programm zusammengestellt, daß mit einer französischen Komponistin begann, die manche Dresdner durch Stéphan Réty schon kennenlernen durften: Mélanie Bonis. Sie war nicht nur eine beliebte und anerkannte Komponistin ihrer Zeit, die »Salonmusik« hatte damals an sich einen höheren Stellenwert. Heute gilt der Musikalische Salon nicht mehr so viel, weshalb die Werke manchmal als weniger hochwertig angesehen oder gar vergessen werden – zu Unrecht (der Literarische Salon wird bei uns heute im Vergleich höher geschätzt)! Stéphane Réty zumindest, derzeit unter anderem Soloflötist des Symphonieorchesters Basel, trägt mit seinem Wirken dazu bei, dies wieder zu ändern.

Die »Orientalische Suite« Melanie Bonis‘, welche schon Camille Saint-Saëns begeistert hatte, begannen die drei Spieler nacheinander auf die Bühne kommend. Flöte (mit virtuosen »Vogelstimmen«) und Cello parlierten flink, gaben einander ein Echo, den zweiten Satz (»Danse d’Almées«) füllte das Trio mit lebhaft-sinnlichem Charme, um im letzten (»Ronde de nuit«) in einen besonders noblen Ton zu münden (wofür das Violoncello fast in Kontrabaßlage hinabstieg). Farbigkeit gehörte schon hier zu den begeisternden Ingredienzen!

Kaum weniger farbig waren Philippe Gauberts »Trois Aquarelles«. Der Komponist hatte in seinen Zeichnungen große Beweglichkeit, Vitalität beigegeben. So enthält »Par un clair matin« vorwärtsdrängende Energie ebenso wie wasserklare Leichtigkeit, »Soir d’Automne« offenbarte eine Romanze, die »Sérénade« vollführte einen anmutigen Tanz mit einem beruhigten Mittelteil.

Bohuslav Martinůs Klaviertrio erklang im Gegensatz zu den stimmungsvollen Gemälden zuvor prononcierter, »kantiger« und mit klaren (farbigen) Konturen wie sie die moderne Malerei offenbart hat. Das Adagio durchdrangen Flöte und Cello in unterschiedlichen Ebenen, der dritte Satz erfuhr einen stark expressiven Ausdruck.

Doch letztlich können Werke einen Zauber nur entfalten, wenn sie gespielt werden. Wie groß das gemeinsame Verständnis von Stéphane Réty, Norbert Anger und Andreas Hecker ist, bewies noch einmal mehr das Klaviertrio d-Moll von Félix Mendelssohn (Opus 49), hier natürlich in einer Bearbeitung der Violinstimme für Flöte. Nun konnte auch Andreas Hecker die Begleiterrolle mehr als zuvor verlassen, denn Mendelssohn hat die Instrumente seines Trios gleichberechtigt eingesetzt und dicht verwoben. Gemeinsame Phrasierung, Atmen, aufeinander Abgestimmtsein – hier »saß« alles! Wie sich die Partner das Thema zuspielten, mit Leidenschaft und Intensität, war großartig. Durch die Flöte wurde dabei noch die Nähe zum »Sommernachtstraum« betonte, ein paar Kobolde und Elfen huschten ganz bestimmt durch das Scherzo. Und auch das Finale hatte noch einmal »très vif«!

In einen Salon ganz anderer Art ging es mit der Zugabe – nach Argentinien zu Astor Piazzolla.

1. Juni 2019, Wolfram Quellmalz

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