Jahrgang 2019

Moritzburg Festival begann im Schloß

Vor einigen Jahren hatte Jan Vogler eine Zauberflöten-Suite sowie eine zu »Le nozze di figaro« (wieder)gefunden. Die zeitgenössischen, anonymen Bearbeitungen erklangen damals im Konzert und sind auf CD erhalten. Die »Zauberflöte« war am Sonntagabend eine willkommene Eröffnung. Mit der an die erste Violine gerückten Mira Wang sowie Ulrich Eichenauer (Viola) und Jan Vogler (Violoncello) waren sogar drei Viertel der damaligen Besetzung versammelt. Sie hatten sich Stipendiat Nathan Meltzer (zweite Violine) dazu geholt und beschworen mit Mozart jenen jubilierenden Geist, der auch Felix Mendelssohns berühmtes Streichoktett Opus 20 kennzeichnet, mit dem das Fest in zwei Wochen enden wird.

Gut 130 Jahre, nachdem Mozart die »Zauberflöte« geschrieben hatte, schuf Darius Milhaud zwar nicht die Welt, doch sein Ballett »La création du monde« berichtete davon. Die ungewöhnliche Besetzung verweist spätestens mit der Bläserstimme für Saxophon (Asya Fateyeva) auf den Spagat zwischen Klassik und Jazz, den der Komponist anstrebte. Mit Tiffany Poon (Klavier) und Alexander Edelmann (Kontrabaß) waren zwei weitere Stipendiaten beteiligt, neben Jesse Mills und Zen Li (Violinen) gesellte sich der Moritzburg-erfahrene Guy Johnston am Violoncello hinzu. Zwar ist der Ton des Saxophons um vieles durchdringender als der manch anderen Blasinstrumentes, doch in der Romance und im Scherzo bewies Asya Fateyeva, daß er auch fein und leise mitschwingen kann. Insgesamt jedoch blieb die Aufführung sehr »klassisch korrekt« (oder »sittsam«) – hier fehlte es noch deutlich an Ausbruchsversuchen, Kühnheit oder individueller Würze.

Von einem glutvollen Strom war dagegen das letzte Stück geprägt, was am Werk (Anton Bruckners Streichquintett F-Dur) ebenso lag wie an der Besetzung: mit Gründungsmitglied Kai Vogler (Violine), Ulrich Eichenauer und Guy Johnston hatte das Werk ein erfahrenes Streichtrio als Rückgrat, zu dem sich Zhe Li und Sindy Mohamed (Viola) gesellten. Verblüffend war, daß einerseits ein sinfonischer Gedanke aufschien (das Scherzo enthält sogar »Bruckner-Blöcke«), andererseits aber die Einzelstimmen wirklich kammermusikalisch hervortraten, also nicht wie eine Streichersinfonie in einfacher Besetzung klangen. Da konnte man trefflich nachsinnen, ob sich Brahms zum Beispiel darin spiegele, oder ob der Schluß mit der Konzertmeistervioline, welcher Bruckner mehrfach zu singen aufgab, nicht das Ende einer Opernszene sei.

5. August 2019, Wolfram Quellmalz

Nächste Konzerte:

Donnerstag: Orchesterwerkstatt, Elbe-Flugzeugwerke Dresden, 19:00 Uhr, öffentliche Probe, Evangelische Kirche Moritzburg, 19:00 Uhr

Freitag: Konzert mit Werken von Wolfgang Amadé Mozart, Thomas Àdes und Johannes Brahms, Evangelische Kirche Moritzburg, 20:00 Uhr

weitere Termine und Informationen: http://www.moritzburgfestival.de

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