Tschechisch-Deutsche Kulturtage in Dresden

Stipendiatenkonzert an der Musikhochschule

Seit 1999 führen die Tschechisch-Deutschen Kulturtage fort, was in der Region seit Jahrhunderten lebt: den kulturellen Austausch zwischen Tschechien und Deutschland bzw. Böhmen und Sachsen. Trotz mancher Einschnitte in den letzten Jahren kann die Brücke/Most-Stiftung weiterhin Stipendiaten fördern, Solisten ebenso wie Dirigenten. Im Rahmen der mittlerweile 21. Ausgabe der TDKT fand am Reformationstag ein Stipendiatenkonzert in der Dresdner Musikhochschule statt.

Als Partner war ein weiteres Mal die Nordböhmische Philharmonie Teplice angereist, die seit langem mit der Hochschule kooperiert und schon oft im Großen Konzertsaal gespielt hat. Gestern standen Antonín Dvořák, Wolfgang Amadé Mozart, Antonio Rosetti und Klement Slavický auf dem Programm – nanu, Slavický? Der aus Tovačov (Tobitschau) in Mähren / Tschechien stammende Komponist schien beste Voraussetzungen zu haben, bedeutende Lehrer nahmen sich seiner an: Leoš Janáček, Josef Suk, Václav Talich. Und noch 1947 wurden Werke von ihm beim Musikfestival »Prager Frühling« aufgeführt. Doch wenig später erschien der Komponist in der sozialistischen ČSSR manchen Funktionären zu »formalistisch«. Er mußte seine Arbeit beim Radio aufgeben, seine Werke wurden nicht gespielt und er langsam vergessen. Erst seit 1989 kann man ihn wiederentdecken.

Klement Slavický hat in seiner Musik die mährische Tradition aufgegriffen, sie aber auch mit seiner Zeit verknüpft. Der Klangsprache nach könnte man ihn schlicht als Schostakowitsch-Zeitgenossen einordnen, doch seine »Drei Mährischen Tanzphantasien« (Dirigent: Ekkehard Klemm) offenbarten einen eigenständigen, vitalen Geist, der in der damaligen Zeit Altes und Neues verband, der folkloristische Tanzmotive mit Broadway-Klängen verknüpfte.

Die Nordböhmische Philharmonie Teplice war nicht nur hier (mit reicher Bläserbesetzung) ein großartiger Partner, sondern hatte schon bei Dvořáks »Mittagshexe« (Dirigentin: Alina Slobodian / Klasse Prof. Ekkehard Klemm) angedeutet, mit wie viel Farben und Willen zur Feinabstufung sie den Konzertsaal ausloten kann. Noch deutlicher wurde dies bei Wolfgang Amadé Mozarts Sinfonia Concertante KV 354 (320 d) für Violine (Josef Vlček / Klasse Prof. Natalia Prischepenko) und Viola (Anežka Ferencová / Klasse Prof. Vladimir Bukač). Als umsichtiger Dirigent verriet Dionysos Pantis (Klasse Prof. Georg-Christoph Sandmann) bereits einige Erfahrung. Wunderbar ausgewogen war das kantable Duo der beiden gleichberechtigten Solisten – Mozart hatte viel für die Viola übrig, wie schade, daß er ihr kein eigenes Konzert dedizierte – aber auch der Widerhall des Orchesters war großartig. Vier Hörner, die nicht schmetterten, sondern schimmerten!

Das war noch deutlicher bei Mozarts Zeitgenossen Antonio Rosetti zu spüren: Der Böhme mit dem italienischen Namen aus Leitmeritz (heute Litoměřice) war den Bläsern und dem Horn besonders zugetan und läßt in seinem Hornquartett d-Moll hinter dem Solisten noch das Hornquartett mitwirken. Auch Tim Fluch (Klasse Prof. Steffen Leißner) führte das Orchester unauffällig elegant und folgte dabei der Solistin Jana Kiselová (Klasse KV Prof. Friedrich Kettschau), welcher der Spagat zwischen ausdrucksvollem Spiel (vor allem in der Romanze) und fast sportivem Anspruch inclusive blitzsauberer Kadenzen gelang.

Im kommenden Jahr wird es hoffentlich die 22. Auflage der TDKT geben, selbst wenn Prof. Helmut Köser von der Brücke/Most-Stiftung bis dahin vielleicht nicht nur Arbeit, sondern Hürden für das Projekt zu bewältigen hat. Die Stipendiaten des kommenden Jahres sind auf jeden Fall schon einmal bestimmt.

1. November 2019, Wolfram Quellmalz

Nächstes Konzert der Brücke/Most-Stiftung: Adventskonzert, 15. Dezember, 17:00 Uhr, Brücke/Most-Villa

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