Abschluß des Weihnachtsoratoriums

Kreuzchor führt Kantaten IV bis VI auf

Selbst wenn für viele die »Weihnachtszeit« dem Gefühl nach bereits vorbei war, bleibt der »regelrechte« Abschluß derselben nach dem Epiphaniasfest doch wichtig. So konnte man am vergangenen Wochenende nicht nur die Türme in den Christbaumcontainern wachsen sehen, auch der »zweite Teil« des Weihnachtsoratoriums in der Kreuzkirche war gut besucht.

Das Solistenquartett mußte kurzfristig den Tenor-Ausfall verkraften, wofür Kruzianer Florian Sievers einsprang. Für den Mut allein gebührt ihm Anerkennung, denn hier war ja nicht nur ein »Tenor« gefragt, sondern ein Evangelist. Daß der junge Sänger diese Rolle noch nicht in jeder Hinsicht ausfüllen kann, ist verständlich. Johanna Winkel (Sopran), Sophie Harmsen (Alt) und Matthias Winckhler (Baß) vervollkommneten das Quartett zwar gut, doch fehlte es ihm insgesamt an der Glanz. Matthias Winckhler verfügte zwar manchmal darüber, doch in der Arie »Erleucht auch meine finstre Sinnen« vermißte man die Strahlkraft – insgesamt blieben die Solistenstimmen schön, doch fehlte es an Farbe und Durchsetzungskraft.

Somit stand der Kreuzchor um so mehr im Focus – und das mit lange nicht erlebtem Ergebnis! Wunderbar ausgeglichen und rhythmisch belebt klangen die Chöre, jubelnd und voranstürmend, während den Chorälen eine großartige Ausgeglichenheit eigen war. Vor allem aber gelang es Kreuzkantor Roderich Kreile, die Spannung unterbrechungsfrei zu halten – hier war alles richtig, aber nichts akademisch!

Der gute Eindruck wurde durch manche Solopassagen noch verstärkt. Die Echoarie (mit Kruzianer Errel Rodzinka) war nur ein Höhepunkt, schon »Jesu, du mein liebstes Leben« (mit Baß und Chor) hatte eingangs überzeugt.

Wesentlichen Anteil am Gelingen hatte das Orchester aus Musikern der Dresdner Philharmonie, das zwischen Evangelistentext »Da das der König Herodes hörte« und folgendem Alt-Rezitativ »Warum wollt ihr erschrecken« förmlich Flammen aus den Violinen hervorschießen zu lassen schien. Die feine Continuo-Gruppe um Kreuzorganist Holger Gehring, Sebastian Knebel (Cembalo) und Matthias Bräutigam (Violoncello) unterstützte mit Puls und gesanglich geformter Baßlinie die Tragfähigkeit der Choräle.

So gelang ein hoffnungsfrohes, festliches Ende: »Nun seid ihr wohl gerochen« entließ die Gemeinde stimmungsvoll in einen schönen Abend und ein hoffentlich gutes Jahr.

13. Januar 2020, Wolfram Quellmalz

Auf den nächsten Auftritt des Kreuzchores in Dresden müssen wir noch etwas warten. Am 25. Januar »tauschen« die beiden sächsischen Knabenchöre zunächst ihre Heimstatt für einen Tag. Dann ist der Leipziger Thomanerchor (Leitung: Thomaskantor Gotthold Schwarz) mit Johann Sebastian Bachs Kantate »Ich hatte viel Bekümmernis« BWV 21 in der Kreuzkirche zu erleben. Am gleichen Tag singt der Kreuzchor dann in der Leipziger Thomaskirche (»Motette«, 15:00 Uhr). Zur Vesper vor Lichtmeß (1. Februar) ist der Kreuzchor dann wieder zurück. Am kommenden Sonnabend gestaltet das Vocal Concert Dresden von Peter Kopp die Kreuzvesper mit Motetten von Leonhard Lechner, Johann Hermann Schein und Michael Praetorius musikalisch aus.

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