Romantisch und historisch informiert

Dresdner Philharmonie und Quatuor Ébène setzten Beethoven-Konzerte fort

Im Juni hatte es mit Haydn und dem Beethoven-Quartett Opus 18 Nr. 2 ein geändertes Programm gegeben, am Sonnabend fand nun die Gegenüberstellung von Sinfonien und Quartetten Ludwig van Beethovens im Dresdner Kulturpalast seine Fortsetzung. Die Partner des Projektes, das Quatuor Ébène aus Frankreich, boten diesmal die Nummern fünf und vier aus dem ersten Zyklus des Komponisten (Opus 18), Beethovens erste Sinfonie (C-Dur) war der beide verbindende Höhepunkt dazwischen – alle drei Werke waren in der Wende der Jahre 1799 / 1800 entstanden.

Marek Janowski nahm die Sinfonie durchaus sportlich, betonte weniger die sanften romantischen Wendungen, wie sie die Aufführungspraxis des 20. Jahrhunderts hervorgebracht hat, und ließ den ersten Satz auch nicht aus der Dämmerung »heraufleuchten«. Er setzte vielmehr Akzente, schärfte Konturen, hob das Kantige von Pizzicati oder Bläsern hervor. Die forsche Gangart spiegelte sein bewegliches Dirigat wider. Und doch blieb Janowski romantisch, durften die Solisten (Flöte, Oboe) am Filigran arbeiten, dann wieder forcierte ein bäriges Tremolo. Auf die Sanftheit von Bläsertupfern folgte alsbald ihre Fanfare (Mittelsätze). Das Allegro molto vivace des Finales begann mit Paukenschlägen – verblüffend war, wie Marek Janowski romantische und historisch informierte Spielweise zu einer Synthese führte.

Als Rahmen der Sinfonie spielte das Quatuor Ébène die beiden Streichquartette aus Beethovens Opus 18, wohlgemerkt in der Reihenfolge fünf – vier (das letztere ist das bekanntere der beiden Werke). Die vier Franzosen gehören zu jenen Formationen, die nicht mit Energie und Effekt zu beeindrucken suchen, sondern den noblen Klang effektvoll zu betonen wissen. Somit wird die Lieblichkeit eines Allegros nie klebrig, die hohe Kunst zeigt sich in der Verschlingung der vier Stimmen. Und darin, daß Ébène auf Mätzchen, wie mit dem (un)passenden Gesichtsausdruck zu übermäßig betonten Schlußakkorden verzichten kann – sehr zur Freude der Zuhörer. Ganz nebenbei ist der kurze Bogenstrich, das Zurückfedern nach dem Ende dann, wenn es der Betonung einmal bedarf, wie nach dem letzten Ton des Opus 18 Nr. 4, um so wirkungsvoller! Wenn es bei Beethoven jedoch kein Drama, keine Revolution gibt, muß man sie auch nicht hineininterpretieren, mitunter ist er fein wie Biskuit! Daß dabei auch Gegensätze aufschienen, das Quartett emphatischer glühte und romantischer geriet als die Sinfonie, konnte den Reiz nur erhöhen. Immer wieder wurde der Zuhörer belohnt, wie in der zarten Verspieltheit des Andante scherzoso quasi Allegretto im vierten Quartett. Auf die Fortsetzung kann man sich nur freuen!

13. September 2020, Wolfram Quellmalz

Im Herbst noch kehrt das Quatuor Ébène wieder: am 27. November (19:30 Uhr) spielt es im Kulturpalast Ludwig van Beethovens Streichquartette Opus 95 und Opus 59 Nr. 2.

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