Lichtmeßvesper mit Neugründung

Dresdner Kreuzkirche schöpft aus ihrer Geschichte neu

Gleich mehrfach war die gestrige Kreuzvesper eine besondere: als letzte beschloß sie vor dem Fest Maria Lichtmeß (bzw. Fest der Darstellung des Herrn) am kommenden Dienstag den Weihnachtskreis. Dieser Moment wurde noch betont, weil in der Kirche allein die Beleuchtung der Weihnachtsbäume, des Sterns unter dem Gewölbe und der Kerzen für die Besucher die Dunkelheit erhellten – mit den Kerzen wurde anschließend das Friedenslicht aus Bethlehem in die Welt getragen.

Gleichzeitig gab es eine Neugründung, Neuorientierung in der Musik, denn die Musiker, welche die Kreuzvesper begleiteten, erhielten einen neuen Namen: Capella Sanctae Crucis. Damit greift die Kreuzkirche eine Bezeichnung aus dem 14. Jahrhundert auf, als die Kreuzkapelle der damaligen (also noch vor der Reformation) Nicolaikirche so genannt worden war. Die Mitglieder sind den Besuchern zum großen Teil bekannt, zum Beispiel schließen sie jene des Barockorchesters der Kreuzkirche Dresden um Anne Schumann (Violine) ein. Doch eine Umbenennung allein war es eben nicht, denn die Capella Sanctae Crucis umfaßt neben den Instrumentalmusikern auch Sängerinnen und Sänger (welche derzeit natürlich ebensowenig auftreten dürfen wie Bläser).

Für das Haus und seine Besucher kann man sich freuen: Die – wie sich gerade in Krisenzeiten wohltuend zeigt – ohnehin hochwertigen Besetzungen und Programmgestaltungen dürften somit noch besser werden.

Den Abschluß der Weihnachtszeit (bzw. den letzten Sonntag nach Epiphanias) begingen Kreuzorganist Holger Gehring und die Capella Sanctae Crucis mit sehr festlicher Musik. Mit zwei Concerti grossi »Per il Santissimo Natale« von Francesco Manfredini und Giuseppe Torelli gehörten zwei der schönsten italienischen Weihnachtskonzerte der Barockzeit dazu, die mit kleiner Orgel und Streichern prächtig klangen und funkelten. Manfredinis Werk beginnt wie mit musikalischem Dunkel, in das sich Sterneblinken mischt, seinem Andante pflanzte er den hellen Glanz des Wintereises ein. Torelli wiederum hob besonders den wiegenden, pastoralen Charakter heraus.

Als Texte zum Thema hatte Pfarrer Holger Milkau für die Lesung Teile aus Galater, Meleachi, Hebräer und Lukas ausgewählt, womit die Weihnachtserzählung auch im Wort abschloß, Heinrich Ignaz Franz von Biber sorgte außerdem (erneut) für eine Ausgestaltung durch eine seiner Mysteriensonaten: Anne Schumann spielte die vierte, mit der sich Biber auf das Fest der »Darstellung des Herrn« bezog.

Das Concerto del Sigr. Blamr des Erfurter Organisten, Komponisten und Kapellmeisters Johann Gottfried Walther atmete einen ähnlichen Geist wie die Concerti grossi, Holger Gehring zeigte dabei, daß sich die große Jehmlich-Orgel neben sinfonischen Orchesterfarben auch die virtuose Vielgliedrigkeit des Barock »anziehen« läßt.

So wurde mit ruhiger Festlichkeit und der Aussendung des Friedenslichtes der Weihnachtskreis geschlossen.

31. Januar 2021, Wolfram Quellmalz

Für den kommenden Sonnabend (1. Sonntag vor der Passionszeit) stehen Werke von Felix Mendelssohn, César Franck und Louis Vierne auf dem Programm der Kreuzvesper (Kreuzorganist Holger Gehring / Orgel, Superintendent Christian Behr / Liturg). Weitere Informationen unter http://www.kreuzkirche-dresden.de

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