Frühlingsanfang und Passionszeit

Kreuzvesper vor dem Sonntag Judica

Trotz manchen »ohnmächtigen Schauern körnigen Eises«, die gerade über und durch Dresden wehten, machte sich der Frühlingsanfang gestern mit Sonnenlicht deutlich bemerkbar. Frühblüher und aufplatzende Knospen lassen nun wieder staunen, welche Kraft sich zu erkennen gibt. Das griff nicht nur Pfarrer Holger Milkau im Wort auf, es wohnte ebenso der Musik inne.

Ob Bach, Rheinberger oder Reger – viele Werke dieser Kreuzvesper waren von einem dunklen, tragenden Teil, einer zurückhaltenden Begleitung gekennzeichnet, einer stillen Basis, die Düsternis und Trauer zu enthalten schien, aber eben auch Grundlage, »Sicherheit« war, aus der sich zarte, wohlklingende Stimmen erhoben. Dafür hatte Kreuzorganist Holger Gehring die beiden Philharmoniker Alexander und Annegret Teichmann hinzugewonnen, die mit ihren Violinen zur musikalischen Gestaltung beitrugen.

Fast sinfonisch dicht war schon Johann Sebastian Bachs Praeludium et Fuga c-Moll (BWV 564). Das Präludium schien deutlich größer als sonst manche »Einleitung«, die Fuge wuchs beständig, beinahe so mächtig wie in vielen Orgelwerken Max Regers. Doch der, Reger, konnte ja auch ganz anders, licht, luzide, gesanglich klingen, man denke nur an seine Choralkantate »Meinen Jesum laß ich nicht«. Das Largo aus seiner Suite im alten Stil für Violine und Orgel ist so gesanglich, oft leise. Geradezu samtig klang Alexander Teichmanns Instrument, wozu Holger Gehring auf der Jehmlich-Orgel manche leise Töne fand. Zuvor hatten beide bereits Josef Gabriel Rheinbergers Canzone aus der Suite Opus 166 gespielt, die freilich noch einmal »schlanker« als Reger geriet.

Das lichte, schlanke, zarte Element – es ist in diesen Tagen der Passionszeit noch nicht frei, es ist aber auf dem Wege dahin. Dieser Trend lag vielen der Stücke inne, die zwei Wochen vor dem Osterfest kurz zu verweilen und hoffnungsvoll Kraft zu schöpfen schienen. Einen thematischen Mittelpunkt bildete dabei »O Lamm Gottes, unschuldig«, das nicht nur im Gemeindegesang, sondern auch in einer Choralbearbeitung (BWV 618) und einem Choralvorspiel (BWV 656) angestimmt wurde.

Mit dem Lento aus der Suite Opus 71 von Moritz Moszkowski (ursprünglich für zwei Violinen und Klavier, für die Orgel eingerichtet von Holger Gehring) gab es einen bedächtigen Ausklang, der mit den süßen, edlen Stimmen der beiden Violinen den Vesperbesuchern einen fast schon charmanten Hoffnungsschimmer mit auf den Weg in die neue Woche gab.

21. März 2021, Wolfram Quellmalz

Über die Kreuzvesper vor dem Palmsonntag (Orgelmusik unter anderem von Johann Pachelbel und Jean Langlais, aber auch von Organist Thomas Lennatz, der über »Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken« improvisieren wird) und die Liturgischen Veranstaltungen zum Osterfest informieren Sie sich bitte auf http://www.kreuzkirche-dresden.de

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