Musik zur Sterbestunde Jesu

Musikalische Andacht in der Dresdner Auferstehungskirche

In einem musikalisch überwiegend ruhigen Programm stellte die Gemeinde der Auferstehungskirche Dresden-Plauen am Karfreitag Worte der Passion und Musik gegenüber. Hier wie da gehörten dazu Momente der Hoffnung, der Aussicht auf Erfüllung. Pfarrer Stephan Sawatzki las zwischen den Werken Teile des Passionsgeschehens nach Lukas, sprach über die Sieben letzten Worte Jesu, über ihre (unterschiedliche) Überlieferung durch die vier Evangelisten und die Bedeutung.

Ricarda Glöckler und Hyunmin Oh (Viola) sowie Andreas Hecker (Cembalo) hatten sich nicht für ausgesprochene Passionsmusik, sondern für ganz unterschiedliche Stücke entschieden, stellten einerseits traditionelle, getragene Sätze in den Mittelpunkt, wählten aber zudem Werke von Komponisten aus, die eher (viel zu) selten in Programmen zu finden sind.

Jean-Marie Leclair ist uns vor allem als Musiker des frühen 18. Jahrhunderts bekannt. Seine Sonaten Opus 12 sind ursprünglich für zwei Violinen oder »Viole« geschrieben. Die französische Bezeichnung steht eigentlich für die Gambe, doch wurden die Sonaten schon früh auf die Viola übertragen. Die beiden Instrumente von Ricarda Glöckler und Hyunmin Oh schimmerten im Andante in edlen Sonnen- und Kupfertönen bedächtig, bevor das Allegro non presto fürAufhellung sorgte.

Während Leclair zu den Virtuosen und Berühmtheiten des Barock gehört, ist Garth Knox ein Komponist unserer Tage und bisher wohl noch nicht so bekannt. Seine Fuga libre für Viola solo (freie Fuge) war ein zweistimmiges Gespräch, das mit großen Tonsprüngen aufwartete, deren Kontraste Ricarda Glöckler aber glättete. Die Zweistimmigkeit liegt in diesem Stück weniger in einer kontrapunktischen Gegenüberstellung, vielmehr existieren zwei Erzählstränge in unterschiedlichen Lagen, die nach kurzer Steigerung in einem gemeinsamen Postludiumsakkord harmonisch ausklangen.

Johann Sebastian Bachs Gambensonate BWV 1027 wird heute gern auf das Cello oder die Viola übertragen. Andreas Hecker und Hyunmin Oh brachten mit ihr erneut Sonnentupfer in die Auferstehungskirche, fanden im Verlauf Belebung und im Verharren Momente voller Schönheit, wie mit dem stehenden Ton der Viola im Andante, das aber durch die Beschleunigung des Cembalos jede Behäbigkeit verlor. Das anschließende Allegro moderato offenbarte einen zauberischen Tanz – freilich würde man sich bei Leclair und Bach noch lieber die ganzen Sonaten wünschen.

Mit Frank Bridge erklang abschließend ein Komponist der Spätromantik, dessen Kompositionen niemand geringeres als Benjamin Britten lobte. Bridge war mit der Gattung des Streichquartetts verbunden, spielte aber selbst auch Viola und schrieb zwei Duette für Bratschen. Mit einem Lamento klang die Andacht am Karfreitag aus. Noch einmal gab es einen zweistimmigen instrumentalen Gesang, diesmal auf zwei Instrumenten – die Klammer der Jahrhunderte trennt eben nicht nur, sie eint auch und führte durch das Programm. Dabei gab es mitten im Werk mit leichten Pizzicati noch einmal Momente der Aufhellung.

3. April 2021, Wolfram Quellmalz

Die nächsten musikalischen Andachten finden wieder jeweils 19:30 Uhr statt. Am 16. April gibt es Musik für Violoncello von Johann Sebastian Bach (Marie-Elisabeth Hecker und Andreas Hecker), für den 30. April sind Werke von Johann Heinichen, Bach und Couperin (Elisabeth Beckert / Barockoboe, Caspar Erler / Barockvioline und Andreas Hecker / Cembalo) geplant. Bitte informieren Sie sich über die Termine in Aushängen oder auf http://www.auferstehungskirche-dresden.de/

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