Jubilate Deo

Kreuzvesper wieder mit Gesang

Die Kreuzkirche Dresden setzte vor dem Sonntag Jubilate die österliche Freudenzeit in der Kreuzvesper fort. Grund zur Freude gab es auch musikalisch, immerhin durften wieder einmal Sänger mitwirken. Peter Kopp hatte aus den Reihen seines Vocal Concert Dresden ein Quartett zusammengestellt: Katja Fischer (Sopran), Nanora Büttiker (Alt), Stephan Keucher (Tenor) und Falk Joost (Baß) waren sozusagen ein Minimalchor. Freud und Leid: An sich ersetzen sie natürlich nicht das homogene, klangprächtige Vocal Concert, das schmerzlich vermißt wird, im Soloquartett sorgten sie dennoch für einen kraftvollen und raumfüllenden Klang.

Regelrecht klangkräftig ließen sie ihre Stimmen leuchten, ohne daß dabei ein Manko der Ausgewogenheit entstanden wäre. Mit Johannes Eccards »Zu dieser österlichen Zeit« hatten sie Holger Gehrings Einzugspräludium von der großen Orgel aufgenommen, das nun hell und fröhlich den Jubel schweben ließ. Peter Kopp begleitete das Quartett an der Truhenorgel, wie auch in Heinrich Schütz‘ »Cantate Domino canticum novum« (SWV 81), das sich deutlich kunstvoller als ein Lied zeigte und die ganze Pracht des Osterjubels entfaltete. Wie schön, wenn die Stimmen über die Tragfähigkeit hinaus solche Emphase entfachen können und dabei jede im Quartett verfolgbar bleibt! Adam Gumpelzhaimers »Lob Gott getrost mit Singen« aus der Liedsammlung der Böhmischen Brüder hatte im Anschluß kaum weniger mitreißende, beglückende Wirkung.

Die musikalisch helle Stimmung erhielt sich mit Johann Sebastian Bachs Toccata, Adagio und Fuge in C-Dur (BWV 564), das Kreuzorganist Holger Gehring nun wieder an der Jehmlich-Orgel spielte. Das Werk beginnt mit filigranen Oberstimmen, die fast leichthin »geworfen« scheinen (sind sie nicht) und im Pedal beantwortet werden, bevor die Toccata beide verbindet. Während des folgenden Adagios, einem innigen Intermezzo, konnten die Zuhörer (vielleicht) sinnen, welcher Teil des Werkes der wichtigste sei (natürlich keiner – alle drei bedingen einander), bevor die Fuge das Toccata-Motiv aufnahm und mit architektonischer Würde ausbaute.

Mit Andrea Banchieris »Jubilate Deo omnis terra« und Felix Mendelssohns »Jauchzet dem Herrn, alle Welt«, zwei Vertonungen des Psalms 100, kehrte das Vocal Concert zurück. Während die Wegscheider-Orgel zunächst noch die stützende Basis gab, galt dem Wort bei Mendelssohn a cappella ein besonderes Gewicht. Kaum weniger freudig war der Gedanke nun mehr nach innen gerichtet, als ihn musikalisch auszustellen.

Musik innerlich spüren, sich berühren lassen, sie aufnehmen, all das helfe, den derzeitigen Jammer zumindest zeitweise zu verdrängen, meinte Superintendent Christian Behr im Anschluß an den berührenden Gesang des Quartetts. Wenn es in der Kreuzvesper derzeit nicht ginge, könne es doch jeder zu Hause probieren und – wie er selbst mit der Posaune – dabei manche Neuentdeckung im Liederbuch machen.

Vielleicht war »Christ ist erstanden« von Christian Thiel für manche so eine Neuentdeckung. Das nach einem Text aus dem 12. Jahrhundert verfaßte Lied lenkte mit seiner Schlichtheit (a cappella) den Blick erneut nach innen, verhielt ein wenig und erreichte mit dem innigen Klang des Solistenquartetts im »Kyrieleis!« einen freudigen Höhepunkt.

25. April 2021, Wolfram Quellmalz

Am kommenden Sonnabend spielen die Capella Sanctae Crucis Dresden in der Kreuzvesper auf historischen Instrumenten. Solist: Stefan Kunath (Altus). Weitere Informationen unter: http://www.kreuzkirche-dresden.de

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